Heute, am 69. Jahrestag der Befreiung, ist Deutschland erfüllt vom Kriegsgeschrei und der antirussischen Propaganda der Medien der herrschenden Klasse. Es ist die gleiche Klasse, die den Faschismus beförderte, um ihren Krieg zu bekommen. Ihre politischen Kommis beteiligen sich in der Ukraine an der Installation eines Regimes, in dem erneut Faschisten das Wort führen. Und wie einst in Deutschland brennen nun in der Ukraine Gewerkschaftshäuser. Den Tag der Befreiung erklärt man dort zum „Trauertag“, an dem die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs ihre sowjetischen Orden nicht tragen dürfen.
Der 8. Mai steht für die militärische Zerschlagung des faschistischen Deutschlands. Er steht für die Beendigung eines Krieges, der 50 Millionen Leben gekostet hat. Er steht für die Befreiung der Konzentrationslager. Er steht für die Beendigung des Holocausts. Er steht für das Ende der gesamten faschistischen Barbarei.
Doch: Als der deutsche Faschismus militärisch geschlagen abtreten mußte, waren die, die 1933 “oben” gewesen waren, noch immer oben. Und während “die da unten” um ihr bescheidenes Eigentum gebracht waren, waren “die da oben” weiterhin im Besitz ihres Eigentums – und für viele von ihnen hatte es sich sogar vermehrt. Hieran wird der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus deutlich und es gilt, diesen immer wieder aufzuzeigen. Denn dieser Zusammenhang spielt eine große Rolle auch bei der sogenannten “Vergangenheitsbewältigung” in Deutschland.
Man kann in der BRD inzwischen den Eindruck bekommen, als ob die deutsche Bevölkerung ab 1933 lediglich ein verführtes und schließlich betrogenes Opfer der Nazis war. Hinter der für die Deutschen harten Nachkriegszeit verblassen die sechs Millionen ermordeten Juden, die 22 Millionen Toten der Sowjetunion. Dresden wird in einem Atemzug mit Auschwitz genannt, wobei die jahrelang rauchenden Schlote der Krematorien von den Ruinen des zerstörten Dresden verdeckt werden.
Dieser Eindruck ist zurückzuführen auf die angemaßte Deutungshoheit der herrschenden Klasse. Sie, die vor 1933 und während der gesamten Zeit des deutschen Faschismus die herrschende Klasse war, herrschte auch danach und bis heute. “Der Faschismus an der Macht ist die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals”, erklärte 1933 das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale. Das Ziel dieser Klasse war damals die weltbeherrschende Stellung des deutschen Imperialismus, was durch Krieg und Eroberung erreicht werden sollte. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, doch offen sagen kann man dies natürlich nicht. Deshalb gibt es in Deutschland so viele Opfer und – außer Hitler, Goebbels und Göring vielleicht – keine Täter.
Der Überfall der Nazis hat ca. 22 Millionen Sowjetbürgern das Leben gekostet. Mindestens 1.200.000 Sowjetbürger wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt, nur 10 Prozent kehrten lebend in die Heimat zurück. Wer waren die Täter?
Der materielle Schaden, hinter dem sich ungeahntes, unendliches menschliches Leid verbirgt, wurde ebenfalls festgestellt.
Am 13. September 1945 legte die “Außerordentliche Staatliche Kommission der UdSSR zur Feststellung und Untersuchung der Greueltaten der deutschen Eindringlinge und ihrer Verbündeten auf dem Territorium der Sowjetunion” einen abschließenden Bericht vor. Darin heißt es: Deutschland und seine Satelliten “haben 1.710 Städte und über 70.000 Dörfer vollständig oder teilweise zerstört und eingeäschert, über 6 Millionen Gebäude niedergebrannt und zerstört und etwa 25 Millionen Menschen obdachlos gemacht.
Unter den zerstörten und am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Städten befinden sich die größten Industrie- und Kulturzentren: Stalingrad, Sewastopol, Leningrad, Kiew, Rostow am Don und viele andere.
(…) haben 31.850 Industriebetriebe zerstört, in denen etwa 4.000.000 Arbeiter beschäftigt waren; sie zerstörten oder verschleppten 239.000 Elektromotoren, 175.000 Werkzeugmaschinen.
Sie zerstörten 65.000 km Eisenbahngeleise, 4.100 Eisenbahnstationen, 36.000 Post-, Telegraphen- und Fernsprechämter sowie andere dazu gehörige Betriebe. Sie zerstörten oder demolierten 40.000 Krankenhäuser und andere Heilanstalten, 84.000 Schulen, Techniken, Hochschulen, wissenschaftliche Forschungsinstitute, 43.000 öffentliche Bibliotheken.
Sie verwüsteten und plünderten 98.000 Kollektivwirtschaften, 1.876 Sowjetwirtschaften und 2.890 Maschinen- und Traktorenstationen; sie schlachteten, requirierten oder schafften nach Deutschland 7 Millionen Pferde, 17 Millionen Stück Rindvieh, 20 Millionen Schweine, 27 Millionen Schafe und Ziegen, 110 Millionen Stück Geflügel.”
Der gesamte materielle Schaden der UdSSR wurde auf die enorme Summe von 679 Milliarden Rubel berechnet.
Das Leid der Obdachlosen, der Verhungernden, der Gequälten und Geschlagenen läßt sich nicht in Zahlen ausdrücken.
Der 8. Mai ist daher nicht nur der Tag der Befreiung, er ist auch der Tag, an dem man all derjenigen gedenken sollte, die Opfer der deutschen faschistischen Barbarei wurden, und all denjenigen danken sollte, die ihren Beitrag zur Befreiung geleistet haben.
Dieser Tag sollte uns auch daran erinnern, im Widerstand gegen Faschismus, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus nicht nachzulassen, bis der Schwur von Buchenwald eingelöst ist: “Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung”.
Klaus Wallmann sen.