Der 13. Februar stand im Zeichen des Gedenkens an die verheerenden Luftangriffe auf Dresden vor 60 Jahren, die mindestens 60.000 Menschen das Leben kosteten.
Wenn an so einem Tag die „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“ unter „Schirmherrschaft“ der sächsischen NPD-Landtagsfraktion erneut trommeln darf, um mit der Demagogie des „Bomben-Holocaust“ und der angeblichen „Opferrolle“ Deutschlands übelste Geschichtsfälschung zu betreiben, so kann man das nur als einen Skandal bezeichnen. Unvergessen sind und bleiben die Luftangriffe der faschistischen deutschen Wehrmacht auf das spanische Guernica, auf England und die Sowjetunion.
Genau so ein Skandal ist die behördliche Genehmigung des neofaschistischen Aufmarschs und der breite Raum, den die bürgerlichen Massenmedien dafür zur Verfügung stellen. Und wie soll man das massive Polizeiaufgebot werten, das sich in erster Linie gegen Antifaschisten richtete?
Ein breites Bündnis aus Gewerkschaftern, Sozialdemokraten, antifaschistischen und linken Organisationen, unter anderem auch der MLPD, hatte unter dem Motto „GehDenken“ zu einer Demonstration gegen den Aufmarsch der Neonazis aufgerufen. Bis zu 50.000 Menschen beteiligten sich daran. Im Zentrum stand und steht u.a. die Diskussion zum Verbot aller neofaschistischen Organisationen. Daß es trotz vorhandener gesetzlicher Möglichkeiten noch immer nicht umgesetzt ist, gibt den Neofaschisten erst die Möglichkeit für solche provokativen Aktionen.
Natürlich ist eine kritische Auseinandersetzung über den damaligen alliierten Bombenterror notwendig.
Dresdens Oberbürgermeister Roßberg (FDP) rechtfertigt sie mit dem Fakt, daß Dresden im Februar 1945 das größte noch existierende Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie gewesen sei. Doch er selbst schränkt ein, indem er fragt, „ob es … nicht eine Alternative gegeben hätte“.
Durch einen vom britischen Premier Churchill verantworteten Kabinettsbeschluß wurde seit dem 11. Mai 1940 die Bombardierung des deutschen Hinterlands freigegeben. Ab Oktober 1940 wurden dazu von den USA Flugzeuge an Großbritannien geliefert.
„Die britische Luftwaffe wirft insgesamt auf 400.000 Flügen eine Million Tonnen Bomben ab, zwei Drittel davon auf Deutschland; über ein Fünftel besteht aus Brandbomben“, heißt es im „Ploetz“, einem bürgerlichen Standardwerk zur „Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ (2. Auflage 1960, S.55).
Die Angriffe in dieser Form waren genau so wenig nötig für den Sieg über den Hitlerfaschismus, wie die amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Denn bereits Anfang Februar 1945 trafen sich Roosevelt, Churchill und Stalin, um sich über die bevorstehende bedingungslose Kapitulation Hitler-Deutschlands zu verständigen. Die Bombenangriffe auf Dresden mit Brand- und Sprengbomben zu einem Zeitpunkt, als der II. Weltkrieg faktisch entschieden war, sind selbst ein Kriegsverbrechen und Ausdruck der imperialistischen Kriegsführung. Angesichts des schnellen Vorrückens der Roten Armee liegt der Verdacht nahe, daß er in erster Linie erfolgte, um in deren Besatzungsbereich ein Chaos anzurichten und den Neuaufbau zu erschweren. „Offensichtlich lag diesen Angriffen die Absicht zugrunde, hier ein Chaos und unüberwindbare Schwierigkeiten für den Neuaufbau zu schaffen, die zur Quelle einer antisowjetischen Haltung unter der Bevölkerung werden sollten.“ (Förster, Helmert, Schnitter, „Der zweite Weltkrieg“, S.395) Im bemerkenswerten Unterschied zu den imperialistischen Mächten setzte die Sowjetunion das Mittel des Bombenterrors gegen die Zivilbevölkerung während des II. Weltkrieges nie ein.
Propagandaminister Goebbels nutzte das anglo-amerikanische Vorgehen skrupellos aus, um die deutsche Bevölkerung zum verbrecherischen „Endkampf“ zu motivieren. Wie wir sehen, mißbrauchen die Faschisten das Bombardement deutscher Städte noch heute, um ihre eigenen Verbrechen zu relativieren.
Beim letzten Staatsbesuch von Königin Elizabeth II. erwarteten viele eine Entschuldigung für den Bombenterror. Vergeblich und bezeichnend, denn daß sie ausblieb, zeigt den unverändert menschenfeindlichen Charakter des britischen Imperialismus.
Das Gedenken an die Opfer der Dresdner Bombennächte, die Verurteilung der alliierten Kriegsverbrechen und der notwendige breite Protest gegen die neofaschistische Geschichtsfälschung gehören zusammen. Nur so kann es eine antifaschistische Aufklärung über die Ursachen und Zusammenhänge des Faschismus und des II. Weltkriegs innerhalb des imperialistischen Systems überhaupt geben.
Klaus Wallmann sen.