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ARCHIV 2003 – 2017

„Sozialdemokratische“ Rechenkünste

Rente mit 67Glaubt man der „sozialdemokratischen“ Arbeitsministerin Nahles, so wird die BRD mehr und mehr zu einem Paradies für ältere Lohnabhängige. Das muß es auch, wenn Nahles und Konsorten ihre einst formulierten Bedingungen für die „Rente mit 67“ aufrecht erhalten wollen. Denn alle vier Jahre muß die jeweilige Monopolregierung Rechenschaft über die Lage der Älteren auf dem Arbeitsmarkt ablegen. Und die muß zumindest die für die unternehmerfreundliche Argumentation gewünschten Zahlen liefern.

Auch wenn es Ältere natürlich weiterhin schwer haben – der Anteil der über 60-Jährigen in den Betrieben wächst. Laut Regierungsangaben geht derzeit die Hälfte der Menschen in der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren einer Erwerbstätigkeit nach. „Erwerbstätigkeit“ ist nach Definition der Regierung aber auch jeder Minijob, jede Teilzeitstelle und sogar Selbständigkeit.

1,6 Millionen Menschen dieser Altersgruppe sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, d.h. – wenn diese Zahl stimmt -, daß die Erwerbstätigenquote in dieser Altersgruppe „mittlerweile die Marke von 50 Prozent fast erreicht“ hat, so Frau Nahles. Das mag die Dame stolz machen, doch sie kann eben nur „fast“ stolz sein. Denn ihre Partei hat bei Einführung der volksfeindlichen „Rente mit 67“ erklärt, daß diese solange ausgesetzt werden soll, bis „mehr als die Hälfte“ der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Fast 50 Prozent sind aber eben nicht mehr als 50 Prozent – was Nahles und Co. aber nicht zu jucken scheint. Man geht ganz „sozialdemokratisch“ über die Beschlußlage der Partei hinweg und erklärt die „Rente mit 67“ „weiterhin für notwendig und für vertretbar“, obwohl insgesamt nur jeder Dritte (32,4 Prozent) im Alter von 60 bis 64 Jahren einen sozialversicherungspflichtigen Job ausübt.

Generell schönen Nahles Zahlen natürlich die Situation Älterer am Arbeitsmarkt, die nicht wirklich gut ist. Die Chancen auf einen neuen Job bleiben gering, und für viele nicht mehr ganz so gesunde Beschäftigte bleibt die „Rente mit 67“ schlicht eine Kürzung ihrer Rente.

Wenn immer mehr Rentner weiterhin einem Vollzeitjob nachgehen, und noch mehr als sogenannte Minijobber tätig werden, so tun sie das in der Regel nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus purer finanzieller Erfordernis. Ende Juni 2013 gab es offiziell bundesweit 829.173 Minijobber, die über 65 Jahre alt waren, knapp 137.000 Minijobber waren sogar älter als 74. Das waren 36.000 mehr als 2012 und fast 270.000 mehr als 2003.

Die steigende Anzahl der Rentner, die auf die sogenannte Grundsicherung angewiesen sind, ist ein weiteres Indiz dafür, warum immer mehr Rentner jobben gehen müssen. Laut Rentenversicherung liegt inzwischen jede zweite gesetzliche Rente unterhalb des Niveaus der Grundsicherung von rund 700 Euro. Das wird derzeit noch durch andere Einnahmen aus privater Vorsorge, Betriebsrenten oder durch die Einkünfte des Partners kompensiert, so daß es noch nicht zu einer flächendeckenden Altersarmut kommt. Doch immer weniger können diesbezüglich vorsorgen und das gesetzliche Rentenniveau sinkt nach dem Willen der herrschenden Klasse und ihren politischen Kommis weiter.

„Es ist davon auszugehen, dass die Erwerbsbeteiligung Älterer auch in Zukunft weiter ansteigen wird“, heißt es zukunftsfroh im Nahles-Papier. Ganz sicher, und aus den o.g. Gründen. Aber auch mit allen Folgen.

Klaus Wallmann sen.

Foto: proll.wordpress.com

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