Der Tod des Alexander Solschenizyn wird für die bürgerlichen Massenmedien erneut willkommener Anlaß für die x-te Wiederholung von dessen Erzählungen über die Straflager in der sozialistischen Sowjetunion unter Führung Stalins sein.
Sein Leben lang hat der 1918 geborene Solschenizyn die Enteignung seiner großbäuerlichen Familie als „Verarmung“ bejammert. Dennoch konnte er – immerhin – in der Sowjetunion Mathematik, Philosophie und Physik studieren. Im II. Weltkrieg diente er als Offizier in der Roten Armee. Wegen angeblich nur in persönlichen Briefen geäußerter Kritik an Stalin wurde er verhaftet und kam bis 1953 in ein Straflager. Das dort Erlebte schilderte er in seinem Hauptwerk „Archipel Gulag“ in grausigsten Tönen. Aufgrund zunehmender bürokratischer Auswüchse in der Sowjetunion kam es tatsächlich zu Willkürlichkeiten und ungerechtfertigten Bestrafungen. Bei der Verteidigung des Sozialismus einseitig auf den ebenfalls verbürokratisierten Staatssicherheitsdienst zu setzen, statt auf die Mobilisierung der Massen gegen die kleinbürgerliche Bürokratie, das war eindeutig ein Fehler Stalins und der Führung der Sowjetunion.
Nach der Restaurierung des Kapitalismus in der Sowjetunion waren Solschenizyns „antistalinistische Enthüllungen“ natürlich genauso willkommen, wie später im Westen. Von Chruschtschow wegen seines offenen Antikommunismus gefördert, fiel er bei dessen Nachfolgern schnell in Ungnade – tarnten sich diese doch mit sozialistischen Phrasen. 1974 wiesen sie ihn aus der Sowjetunion aus.
Von den westlichen bürgerlichen Massenmedien wurden und werden seine Erzählungen als Tatsachen verkauft, obwohl seine immer offener geäußerten nationalistischen und rassistischen Töne ihn gegenüber der Weltöffentlichkeit immer unglaubwürdiger machten. Die bürgerlichen Medien sprachen von Verirrungen eines alten Mannes, um seinen Wert als Kronzeugen des aggressiven Antikommunismus nicht zu mindern. Solschenizyn überwarf sich sogar mit seinen „Disidenten“-Kollegen wie Andrej Sacharow und Lew Kopelew und beschimpfte sie als „Schufte“ und „Lügner“. Nun ja …
1994 kehrte er nach Russland zurück – und begrüßte die blutige Unterdrückung des tschetschenischen Volks durch die russische Regierung.
Klaus Wallmann sen.