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2014: Rettet die Kinderstationen!

Rettet die Kinderstationen

„Die flächendeckende, qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung von Kindern in Deutschland ist ernsthaft gefährdet“, so Prof. Dr. Wagner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Reihenweise werden Kinderabteilungen und -stationen geschlossen oder sind von Schließung bedroht, weil sie für den Krankenhausträger keinen Profit mehr abwerfen. Von 1991 bis 2012 wurde fast jede fünfte Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin geschlossen, 4 von 10 Betten in der stationären Kinder- und Jugendmedizin gestrichen. Die Zahl der Kinder, die eine stationär Versorgung benötigen, ist im gleichen Zeitraum jedoch nicht gesunken.

Das macht nur einmal mehr deutlich, wie im Kapitalismus die Qualität der Gesundheitsversorgung von der Ökonomie bestimmt wird. Eine Vereinbarkeit beider ist ebenso wie beim sogenannten „Ökologismus“ (Umwelt vs. Wirtschaft) in diesem Wirtschaftssystem unmöglich.

Die „Ärztezeitung“ kam am 11.04. zu dem durchaus richtigen Schluß, daß der „Wettbewerb“ – sprich: der Konkurrenzkampf – im Gesundheitswesen „die Schwächsten“ treffe. Aus diesem Grund schlägt die DGKJ e.V. mit der Aktion „Rettet die Kinderstation“ nun Alarm. „Kinderkliniken, Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin und die Kinderchirurgie sind heute aber strukturell wie finanziell nicht mehr so ausgestattet, dass eine nachhaltige Versorgung der jungen Patienten auch in Zukunft gesichert ist!“

Mit dieser Aktion wollen die Kinder- und Jugendärzte ihre Forderungen an den Politiker zu bringen. Diese haben den Ärzten auch bereits parteiübergreifend versprochen, daß sie das Thema in ihre Fraktionen tragen wollen. Das kostet genausowenig Mühe und Geld wie ihre Kritik an den Fallpauschalen als einzige Abrechnungsmöglichkeit. Weiter ist anzumerken, daß es genau diese Politiker sind, die unter einer „rot-grünen“ Regierung diese Fallpauschalen erst eingeführt haben.

Die Folgen dieser Fallpauschalen sind seit langem bekannt. Patienten werden möglichst schnell entlassen. Der Druck auf das Krankenhaus-Personal wurde und wird immer unerträglicher. Die Kliniken konzentrieren sich aus rein ökonomischen (sprich: Profit-) Gründen auf Dinge wie Herzkatheder-Untersuchungen, Hüft- oder Kniegelenks-Operationen. Jeder Patient, der einen längeren Krankenhaus-Aufenthalt benötigt und/oder mehr personellen Aufwand verursacht, wird in dieser Kapital-Logik zu einem Problem. Und es sind gerade die Kinder, die nicht in diese Logik passen, die einfach nicht nach dem Kalkül der Gesundheits“reformer“ funktionieren.

„Die Kinder sind unsere Zukunft“, so oder ähnlich hört man es von den bürgerlichen Politikern immer wieder. Gemeint ist offensichtlich die Rolle der Kinder als zukünftiges Ausbeutungsobjekt der herrschenden Klasse. Als Nutzer des ach so tollen „Solidarsystems“ der Bundesrepublik werden sie von dieser Klasse und deren politschen Kommis wohl eher als störend empfunden.

Klaus Wallmann sen.

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