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ARCHIV 2003 – 2017

Klima“wandel“ und die Ursache

Die bürgerlichen Politiker und ihre Medien bleiben weiterhin bei der Sprachregelung vom „Klimawandel“, und ihre Wissenschaftler folgen ihnen. Das klingt weit weniger gefährlich, als es tatsächlich ist. Doch selbst der nun vorliegende fünfte Klimabericht der Vereinten Nationen deutet darauf hin, daß wir nicht nur einen Klimawandel erleben, sondern vor einer Klima-Katastrophe stehen.

Nach den neuesten Erkenntnissen steigt der Meeresspiegel stärker und schneller als bisher berechnet. Seit 1901 ist er bereits um etwa 19 Zentimeter gestiegen, wobei sich dessen Ansteigen in den letzten 20 Jahren beschleunigt hat. Bis Anfang des nächsten Jahrtausends steigt er im günstigsten Fall um 26, im schlimmsten um 82 Zentimeter. Für Küstenregionen und deren Bewohner ganz sicher nicht nur ein Wandel, sondern eine Katastrophe. Vorausgesagt werden außerdem häufigere Hitzewellen, Überschwemmungen, Extremwetterlagen …
Auch wenn sich die Erwärmung der Meere weit schneller vollzieht als die der Luft, kann auch in diesem Punkt nicht entwarnt werden. Jedes der letzten drei Jahrzehnte war wärmer als alle vorhergehenden seit 1850. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte die Temperatur um bis zu 4,8 Grad steigen.

„Das ist die am besten begutachtete wissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich“, so Professor Lemke vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Klimamodelle seien nicht perfekt, aber ausreichend für die „dringende Aufforderung, etwas gegen den Klimawandel zu tun“. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, geht davon aus, daß sich aktuell 95 bis 100 Prozent der Experten über den Klimawandel und dessen Ursache einig sind.

Der Klimawandel findet statt – und könnte in einer Katastrophe enden -, und es sei äußerst wahrscheinlich, so die Klimaforscher, daß „der Mensch“ die Hauptursache der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. Das enspricht der Sichtweise bürgerlicher Wissenschaftler, die den Herrschenden zum Munde reden. Natürlich sind Menschen verantwortlich für das, was auf unserer Welt geschieht. Doch diese Menschen gab es auch in den Jahrhunderten vor dem zwanzigsten.

Was es erst Mitte des 18. Jahrhunderts in wachsendem Maße gab, das war die kapitalistische Produktionsweise, die auf der Ausbeutung aller Ressourcen beruht. Inzwischen kann das herrschende internationale Finanzkapital seine Maximalprofite nur noch erzielen, indem es systematisch alle Grundlagen der Einheit von Mensch und Natur zerstört. Selbst minimalsten Klimaschutzstandards stellt sich die herrschende Klasse in den Weg. Die sogenannten Weltklimagipfel in Helsinki und Doha waren der sprechende Beleg dafür. Das internationale Finanzkapital, die internationalen Monopole ziehen ihre Milliardenprofite aus fossilen Energien, aus der rücksichtslosen Ausbeutung von Bodenschätzen, aus ihrer bewußt installierten Wegwerf-Massenproduktion. Zugegeben, auch die Vertreter dieser Klasse sind Menschen – und insofern ist die These, daß Menschen die Verursacher der nahenden Klimakatastrophe sind, nicht gänzlich falsch. Doch diese Klasse ist zahlenmäßig eine relativ kleine, so daß die Verallgemeinerung „der Mensch“ an der wahren Ursache ganz offensichtlich vorbeigeht.

Mit dieser Demagogie, wie auch mit der Behauptung, jeder Mensch könne seinen Teil zur Rettung von Klima und Umwelt beitragen, werden die hauptsächlichen Verursacher des sich beschleunigenden Umschlags in eine globale Klimakatastrophe aus der Schußlinie genommen. Diese mögen Menschen sein, in ihrer gesellschaftlichen Funktion sind sie aber vor allem Kapitalisten, die allen objektiven Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Gesellschaftsordnung unterworfen sind. Und weil sie Kapitalisten sind, blockieren sie u.a. weltweite Umweltstandards, eine effektive Kreislaufwirtschaft und die Umstellung auf erneuerbare Energien.

Die amtierende Bundesregierung sieht sich durch den neuen UN-Klimareport aus unerfindlichen Gründen mal wieder grundsätzlich bestätigt, und ihr Umweltminister Altmaier (CDU) ist angesichts der jüngsten Töne aus den USA und China optimistisch und „ermutigt“. Daß die Umweltverbände der bisherigen schwarz-gelben Koalition diesbezüglich zu Recht ein schlechtes Zeugnis ausstellen, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Altmaier setzt auf den Klimagipfel 2015 in Paris, wo der Klimaschutz nun aber ganz bestimmt „wieder einen höheren Stellenwert bekommt“.

Das Scheitern von Kyoto, Kopenhagen und aller anderer Weltklimakonferenzen belegt jedoch vor allem Eines: Wirkliche Sofortmaßnahmen zur Rettung des Weltklimas und ihre verbindliche Umsetzung ist von den politischen Kommis der herrschenden Klasse nicht zu erwarten. Die Verwirklichung der Klimaziele bezeichnet Prof. Lemke als anstrengend: „Ich bin skeptisch.“ Das ist die durchaus berechtigte Skepsis eines bürgerlichen Wissenschaftlers, der, wie viele seiner Kollegen, die gesellschaftlichen Ursachen nicht erkennt. Der, wie viele Menschen, nicht erkennt, daß alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas und der Umwelt nur auf Kosten der Monopolprofite, und nur durch den massenhaften weltweiten Widerstand durchgesetzt werden können.

Klaus Wallmann sen.

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