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ARCHIV 2003 – 2017

Frauenkampftag

Es war die Zweite Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, die für 1911 den ersten internationalen Frauenkampftag ausrief. Damals ging es um die Erkämpfung des Frauenwahlrechts, später generell um die Emanzipation der Frau. Bis heute ist die Gleichberechtigung der Frau nicht erreicht.

Frauenkampftag 2014


Sogenannte Frauenberufe werden geringer entlohnt, ebenso Arbeitsplätze, auf denen Männer für die gleiche Arbeit mehr bekommen. Dementsprechend sind auch ihre Renten niedriger. Ihre Aufstiegschancen sind noch immer geringer als die der Männer. Frauen können seltener in Vollzeit arbeiten. Überproportional ihr Anteil bei den prekären Beschäftigungsverhältnissen, überdurchschnittlich sind Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen. Die daraus resultierende Abhängigkeit vom Mann existiert weiter.

„Die moderne Einzelfamilie ist gegründet auf die offene oder verhüllte Haussklaverei der Frau […]. Der Mann muß heutzutage in der großen Mehrzahl der Fälle der Erwerber, der Ernährer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen, und das gibt ihm eine Herrscherstellung, die keiner juristischen Extrabevorrechtung bedarf. Er ist in der Familie der Bourgeois, die Frau repräsentiert das Proletariat.“ (Friedrich Engels)

Da auch heute noch viele Frauen den größten Teil der nicht entlohnten Reproduktionsarbeit (Kindererziehung, Haushalt) leisten, ist auch heute noch ihre Unterdrückung eine doppelte.

Nach der sogenannten „Wende“ hat die herrschende Klasse die politische Bedeutung des 8. März, des Internationalen Frauentages ziemlich erfolgreich aus den Köpfen der Menschen vertrieben. Statt dessen spielte man den bürgerlichen Feminismus in den Vordergrund – doch Pussy Riot und Slutwalks tragen wohl eher nicht dazu bei, den notwendigen Kampf der Frauen um ihre Gleichberechtigung zu fördern.

Um so erfreulicher, daß sich nun ein „Bündnis Frauenkampftag“ gebildet hat, das den 8. März „repolitisieren“ will. Das Bündnis organisiert in Berlin die erste bundesweite Demo zum Frauentag seit zwanzig Jahren. Über 70 Organisationen haben sich in diesem Bündnis gefunden, darunter auch DIE LINKE, Piraten, Grüne und die SPD-Berlin. Also auch Parteien, die mit der „Agenda 2010“ nicht gerade zur Stärkung der Frauenrechte beigetragen haben. Das Bündnis macht in seinem Aufruf denn auch deutlich, daß Sozialabbau Frauen im besonderen Maße trifft, und es verwehrt sich dagegen, als Feigenblatt für eine solche unsoziale Politik herzuhalten. Ob die Bündnis-Initiatoren dies verhindern können, bleibt genauso abzuwarten, wie die Ergebnisse eines propagierten „fortschrittlichen Feminismus“ bzw. „neuer feministischer Theorien“. Ihr Slogan „Still loving feminism“ bringt den Klassencharakter der gesellschaftlichen Auseinandersetzung meiner Ansicht nach nur unzureichend zum Ausdruck.

Die Idee des Internationalen Frauentages war und ist eine aktive proletarische Frauenbewegung, die für die Durchsetzung noch heute aktueller existenzieller Probleme kämpft – gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnkürzungen etc. Wer das nicht in den Vordergrund hebt, wird sich schwer damit tun, die in diesem System gleich mehrfach ausgebeuteten Frauen über die Ursachen ihrer Ausbeutung aufzuklären oder gar zum offenen Protest auf der Straße zu bewegen. Sehr schnell wird man dann zum schlichten Ordnungsfaktor des Kapitalismus.

„Jeder, der etwas von der Geschichte weiß, weiß auch, daß große gesellschaftliche Umwälzungen ohne das weibliche Ferment unmöglich sind. Der gesellschaftliche Fortschritt läßt sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts (die Häßlichen eingeschlossen).“ So Marx am 12.12.1868 in einem Brief an Kugelmann – und wer wagt es, ihm zu widersprechen?

Inzwischen ist es offensichtlich, daß es nicht ausreicht, daß eine Frau zur Bundeskanzlerin oder eine mehrfache Mutter zur „Verteidigungs“ministerin avancieren kann. Es reicht auch nicht aus, daß Frauen Soldatinnen werden können oder eine Feministin Steuern hinterziehen kann. Die Millionen Frauen in diesem Land müssen selbst politisch aktiv werden, müssen ihre berechtigten Forderungen auf den Straßen laut werden lassen. Es ist längst an der Zeit, zu den traditionellen Wurzeln dieses Kampf- und Feiertages zurückzukehren. Wenn das „Bündnis Frauenkampftag“ dazu beitragen kann, so hat es die volle Unterstützung von uns allen verdient.

Klaus Wallmann sen.

Frauenkampftag am Samstag, 08.03.2014, in Berlin
13 Uhr Auftaktkundgebung am Bahnhof Gesundbrunnen
14 Uhr Start der Demonstration

Weitere Infos: www.frauenkampftag2014.de

LESETIPP: Rosa Luxemburg: Frauenwahlrecht und Klassenkampf (1912)

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