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ARCHIV 2003 – 2017

Die tägliche kapitalistische Öl-Katastrophe

Durch die ständige Einleitung von sogenanntem „Produktionswasser“ sowie durch Bohrschlamm verschmutzen die Bohrinseln der Nordsee das Wasser jährlich mit rund 200.000 Tonnen Chemikalien. Durch das Abfackeln von Gas verschmutzen sie die Luft jedes Jahr mit 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid und jeweils 115.000 Tonnen Methan und Stickoxide. Jedes Jahr gelangen 200.000 Tonnen Öl in die Nordsee. Der größte Teil stammt aus kommunalen Abwässern, von den Bohrinseln und der illegalen Einbringung von Altölen. 13 Prozent stammen aus Tankerunfällen. Weltweit beträgt die Gesamtbelastung der Meere pro Jahr ca. drei Millionen Tonnen. (BUND, NDR)

Eine Studie des Hamburger Instituts Energycomment im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion kommt zu der Erkenntnis, daß es sich angesichts sinkender Fördermengen für die Öl-Konzerne nicht lohne, die 20 bis 30 Jahre alten Bohrinseln in einem ordnungsgemäßen Stand zu halten. Der Autor der Studie, Steffen Bukold, erklärt uns, daß die Konzerne ihr Kapital lieber in anderen Weltregionen investierten, und somit das Risiko bestehe, daß in die alten Nordsee-Bohrinseln „zu wenig investiert wird, um Sicherheitsstandards aufrechtzuerhalten“. In der Folge wird die Region „Schritt für Schritt zu einem Sanierungsfall mit Millionen Tonnen Stahl, Restöl und chemischen Stoffen“. (taz)

Auch diese Studie beschreibt den ganz alltäglichen Kapitalismus. Das Kapital investiert solange ausreichend Profite zu erzielen sind. Diese Profite wandern in private Taschen. Sinken Profit und Profitrate wird auf Teufel komm raus weitergemacht, wobei Arbeits-, Lebens- und Umweltbedingungen in der Regel auf der Strecke bleiben. Zurück bleibt letztlich ein „Sanierungsfall“, dessen Kosten der Gesellschaft aufgebürdet werden. Die Gewinne streicht die herrschende Klasse ein, die Verluste tragen wir. Die gesetzliche Grundlage dafür schaffen der Staat der Monopole und deren politische Kommis in den Regierungen.

Die Verschmutzung der Nordsee ist nur ein kleines Puzzleteil der insgesamt drohenden globalen Umwelt- und Klimakatastrophe. Mit „Umweltkonferenzen“ und „Klimagipfeln“ versuchen die Regierungen bei uns den Eindruck zu vermitteln, als seine sie Tag und Nacht um die Rettung der Welt bemüht. Mit der Demagogie von der „menschengemachten“ Katastrophe versuchen sie gleichzeitig, die kapitalistische Profitwirtschaft als Hauptverursacher der globalen Klima- und Umweltveränderungen aus der Schußlinie der Kritik zu nehmen. Mit der Ideologie des sogenannten Ökologismus versucht die herrschende Klasse uns die Vereinbarkeit von kapitalistischer Ökonomie und Ökologie nahezubringen, um uns von dem notwendigen aktiven Widerstand zur Rettung der Umwelt und des Klimas vor den Folgen der kapitalistischen Profitwirtschaft abzuhalten.

Doch die „Umweltpolitik“ des herrschenden Kapitals setzt diesen Widerstand auf die Tagesordnung, denn diese Politik treibt die einzige Welt, die wir haben, in die Katastrophe, setzt die Existenz der Menschheit auf’s Spiel. Die Erde darf nicht weiter zum „Sanierungsfall“ werden. Um dies zu verhindern, ist die Überwindung des Kapitalismus unumgänglich.

Klaus Wallmann sen.

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