Das Blatt des sich als Journalisten bezeichnenden Herrn Markwort (78!) – es reimt sich auf „Lokus“ – hat mal wieder Sensationelles entdeckt. „Die Rentner verprassen unser Geld“ !!! „Die Rentner“? „Unser Geld“?
Entsetzlich! 2017 – zur nächsten Bundestagswahl – wird „über die Hälfte aller Wähler … bereits über 50 Jahre alt sein“, stellt das Blatt fest, übersieht aber, daß „über 50“ nicht unbedingt etwas mit Rentner zu tun hat. Aber wie sonst sollte man auf die bedrohliche „über die Hälfte“, also die absolute Mehrheit kommen. Für diese müsse man jetzt nur noch „Klientelpolitik“ machen, und schon hätte man die kommende Bundestagswahl gewonnen.
Dagegen, so das Blatt, „protestieren“ bisher „nur Politiker und Wirtschaftsexperten“. Wogegen? Gegen „Klientelpolitik“? Oder gegen die Tatsache, daß es Rentner gibt? Prassende Rentner, wohlgemerkt. Wie auch immer, „alle unter 40“ müssen sich jetzt wehren! Denn: „Die Alten übernehmen die Macht.“ Und „die Politik“ stellt sich darauf ein. „Zu Lasten von uns Jungen.“
Nachdem man gerade die unser Geld verprassenden Rentner als Feindbild für die Jungen aufgebaut hat, stellt das Blatt ungerührt fest, „dass die gesetzliche Rente kaum zum Leben reicht“. Was „den meisten Menschen mittlerweile klar“ sei. Damit ist nicht nur die Rente von 2030 „ein Witz“, sondern vor allem die Mär vom „prassenden Rentner“.
Das Blatt erwähnt weiter, daß „die Politik“ das einstige Rentenniveau von 52,9 Prozent bis 2020 auf 43 Prozent des Bruttolohns absenken wird. Womit sich die Frage stellt, für welche „Klientel“ „die Politik“ eine derartige „Klientelpolitik“ macht. Für die Rentner ganz sicherlich nicht, denn um zu „prassen“, muß etwas zum „Verprassen“ da sein. Das gilt für die Rentner ebenso, wie für „alle unter 40“, die in absehbarer Zeit Rentner werden.
Die „Chancen … privat fürs Alter vorzusorgen“ stehen nach Ansicht des Blattes „schlecht“. „Wahlgeschenke an die Alten“ anstatt „Sozialbeiträge zu senken“, „von unserem Gehalt bleibt kaum etwas übrig“. Letzteres konterkariert zwar den ständigen Hype vom ständigen „Kaufrausch“, aber was soll’s. Diesmal ist jedenfalls „der Staat“ und nicht „die Politik“ verantwortlich, doch mit politischer Aufklärung will man den Leser ganz offensichtlich nicht belasten. Man jammert lieber weiter. „Während unsere Eltern noch Lebensversicherungen mit vier Prozent Garantiezins abschlossen und acht Prozent auf zehn Jahre Festgeld bekamen, können wir mit Fest- und Tagesgeld heute kaum die Inflation ausgleichen.“ Und daran sind weder „der Staat“, „die Politik“ und schon gar nicht das kapitalistische Wirtschaftssystem schuld, sondern die Rentner – meint das Markwortsche Blatt.
„Alle unter 40“ haben demnach auch „keine Chance auf einen langen Ruhestand“. Heute „Rente mit 63“, irgendwann die „Rente mit 70“, „wer weiß was danach kommt“. Auch an dieser Stelle wird nicht deutlich, welchen Anteil die Rentner an dieser von der herrschenden Klasse gewollten, und von deren Politikern umgesetzten Entwicklung haben. Ebensowenig wie bei der folgenden Feststellung, daß auch die heutige Generation unter 40 hart arbeiten muß, „mit befristeten Verträgen, 40-Stunden-Wochen und mickrigem Gehalt“ – ohne jede Hoffnung auf „Kreuzfahrten, schöne Autos und ein kleines Ferienhaus“.
Ein amüsanter Artikel. Denn statt seine ideologischen Intentionen umzusetzen, bewirkt der Autor das Gegenteil. Insofern und in den Augen Markworts ein schlechter Artikel. Ohne große politische Hintergrundkenntnisse genügt ein wenig Hinterfragen, um den demagogischen Charakter dieses dummen Artikels zu erkennen. „Divide et impera“, „teile und herrsche“, das ist seine Intention. In diesem Fall: Junge gegen Alte. Konkret: Das Kind gegen Mutter und Vater, der Enkel gegen Oma und Opa. Wie dumm muß jemand sein, der auf einen solchen Leim kriecht, der sich derart von Markwort und Konsorten an der Nase herumführen läßt.
Klaus Wallmann sen.
Nachtrag 14.04.2015: „Prekär ins Rentenalter“