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Avro Manhattan: Der Vatikan und das XX. Jahrhundert

Das Buch von Avro Manhattan ist 1949 erschienen. In der Paperback-Ausgabe von 1984 des Verlags für ganzheitliche Forschung (ISBN 3-922314-33-3) heißt es im Vorwort:

„Wer in Deutschland weiß,

    • daß Reichskanzler Franz von Papen, päpstlicher Geheimkämmerer und ein Mann der katholischen Zentrumspartei, den entscheidenden Beitrag zu Hitlers Machtergreifung und zur Schaffung des Reichskonkordats leistete und 1934 für diese politische Tätigkeit vom damaligen Papst mit dem Christusorden ausgezeichnet wurde?

 

    • daß die Auflösung der Zentrumspartei im Juli 1933 sowie die zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen von Bischöfen zugunsten des Nationalsozialismus auf unmittelbare Weisung des Vatikan erfolgten?

 

    • daß für die direkte Unterstützung Hitlers der damalige Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., verantwortlich war?

 

    • daß überall, wo faschistische Regierungen gebildet wurden, der Vatikan seine Hand im Spiel hatte?

 

  • daß es der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, selbst in den weitgehend protestantischen USA eine beherrschende Stellung im gesellschaftlichen und politischen Leben zu erringen?

Avro Manhattan schrieb sein Buch Anfang der fünfziger Jahre. Seine Schlußfolgerungen wurden durch die Ereignisse der folgenden Jahre weitgehend bestätigt, so daß der Leser ohne Schwierigkeiten die in der Vergangenheit festgestellten Tendenzen der vatikanischen Politik in der Gegenwart wiederfindet.
Der Verfasser richtet sich weder gegen die Religion im allgemeinen noch gegen die katholische Religion im besonderen. Nicht die religiösen Glaubenssätze der katholischen Kirche sind das Thema, sondern die politischen Taten des Vatikan.
Der Glauben bedeutet für den Vatikan ohnehin kaum mehr als ein Mittel zur Einflußnahme. Der Verfasser mißt daher nicht mit religiösen, sondern mit politischen Maßstäben. Wo allerdings die politische Vernunft und wichtige humanistische Grundprinzipien mit den religiösen Dogmen und deren Konsequenzen in Widerstreit geraten, läßt er keinen Zweifel daran, wessen Partei er ergreift …“

Natürlich steht Avro Manhattan bei seiner Analyse auf den Positionen der bürgerlichen Geschichtsschreibung. Das setzt seiner Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge gewisse Grenzen. Seine daraus resultierende Darstellung läßt den Eindruck entstehen, daß nicht der Imperialismus, sondern die katholische Kirche der Hauptfeind der Menschheit ist. Der Begriff „Sozialismus“ wird von ihm ohne Unterscheidung verwandt. Zwischen Kommunisten und Sozialisten, zwischen fortschrittlichen Werktätigen und rechten sozialdemokratischen „Führern“ differenziert er nur ungenügend. Doch trotz aller Mängel ist Manhattans Buch noch heute von großer politischer Aussagekraft und Aktualität. Er beweist, daß der Vatikan eines der Zentren des Antikommunismus, ein Hort der Verschwörung gegen den Fortschritt und den Weltfrieden ist.

Zu haben ist das Buch nur noch antiquarisch.

Klaus Wallmann sen.

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