Gnadenlos umschipperte jüngst die „Gustloff“ des ZDF die deutsche Geschichte, alle Hintergründe beiseite lassend, und erneut die Opferrolle der Deutschen beschwörend. Wer die historischen Fakten wissen will, den verweise ich auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel. Er macht zumindest deutlich, daß die „Gustloff“ nicht als Flüchtlings- oder Lazarettschiff erkennbar war, und somit die Schuld für den Tod tausender Zivilisten ganz allein bei den deutschen Nazi-Führern liegt.
Ein paar Anmerkungen zu diesem ZDF-Armutszeugnis, für das man 10 Millionen Euro an Filmförder-, Gebühren- und Steuergelder hinauswarf. „Treibende Kraft“ sei der CDU-Mann Kauder gewesen, berichtete die „Siebenbürgische Zeitung“ vom 23.02.2008. Für diesen Einsatz erhält Kauder nun eine Medaille des Bundes der Vertriebenen.
Da ist es denn auch kein Wunder, daß der Film eine „Anklage gegen das Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD), eine antifaschistische Organisation des alliierten Widerstands, sein soll – so der Tagesspiegel am 09.01.2008. „An der Spitze standen KPD-Funktionäre wie Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck. Hauptanliegen war es, die Wehrmacht mittels Propaganda zum Niederlegen der Waffen zu bewegen. Wie weit ging das NKFD? Haben Ulbricht und Pieck die Gustloff auf dem Gewissen?“ Dafür konnten „Generationen von Historikern“ zwar „noch keinen schlüssigen Beweis“ entdecken, aber man „forsche noch in russischen Archiven“.
Und da man (leider?) noch keine schlüssigen Beweise für die Schuld der Kommunisten hat, erfindet man flugs einen Funker, der im Auftrag „von kommunistischen Emigranten“ die 9.000 Passagiere dem Tod ausliefert. Zumindest im Film ist damit bewiesen, daß das „Nationalkomitee Freies Deutschland“ das Massensterben verursacht hat.
Als „Fachberater“ hat sich das Staatsfernsehen ZDF den 82-jährigen „Experten“ Heinz Schön besorgt. Schön ist Buchautor im extrem rechten Kieler „Arndt-Verlag“ und schreibt u.a. für die einschlägig rechte „Deutsche Militärzeitschrift“. Der gebürtige Schlesier war Mitautor einer „Festschrift“ für den britischen Geschichtsrevisionisten und Holocaust-Leugner David Irving und Autor in dem Sammelband „50 Jahre Vertreibung“, der 1995 im extrem rechten „Hohenrain-Verlag“ erschien und in dem sich auch ein Beitrag des DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey befindet. Schön, der in den vergangenen Jahren immer wieder bei „Vertriebenen“-Verbänden als Referent auftrat, gab der extrem rechte Wochenzeitung „Jungen Freiheit“ Interviews und 2005 auch der Zeitung „Deutsche Stimme“ der neonazistischen NPD.
Dennoch behauptet Herr Schön, er habe „mit Leuten von rechts gar nichts zu tun“. Er weiß auch nicht was die „Deutsche Stimme“ ist, und die „Junge Freiheit“ sei ja nicht verboten. Außerdem tappt man da „manchmal in Fallen rein“. Und auch das ZDF – das auf dem zweiten Auge angeblich besser sieht – gibt sich ahnungslos: „Wir haben uns nicht damit auseinander gesetzt, welche politische Haltung er hat“, sagte die Redakteurin Elke Müller. (stern.de) Und wenn, dann hätte es das ZDF bestimmt nicht gestört.
Klaus Wallmann sen.
Verweisen möchte ich auf eine Rezension von „Spiegel Online“, die die geschichtsrevisionistische Zielrichtung des Films deutlich macht:
Spiegel Online
Lesenswert auch ist die Filmkritik von Dietrich Kuhlbrodt:
Filmzentrale
Quellen:
http://www.german-foreign-policy.com
http://de.indymedia.org
http://www.stern.de