Buch-Empfehlung zum 75. Jahrestag der Reichstagsbrandstiftung
Der 75. Jahrestag dieses historischen Ereignisses wird mit Sicherheit auch in den „freien“ bürgerlichen Medien Beachtung finden. Aus diesem Grund möchte ich alle rz-Leser – vorausahnend was da wieder über den Sender gehen könnte – auf das Buch „Der Reichstagsbrand – Wie Geschichte gemacht wird“ von Alexander Bahar und Wilfried Kugel hinweisen (Edition q, 2001, ISBN 3-86124-513-2).
Im Klappentext weist der Verlag darauf hin, daß die Kontroverse um die Urheberschaft des Brandes seit diesem 27. Februar 1933 nie abgebrochen ist. Die Autoren waren jedoch in der Lage, dank der seit 1990 erstmalig zugänglichen 50.000 Seiten Originalakten (Feuerwehr- und Polizeiberichte, Vernehmungsprotokolle der Voruntersuchung, brandtechnische Gutachten, Anklageschrift usw.), den Brandverlauf akribisch zu rekonstruieren. Gleichzeitig analysieren sie „das erstaunlich frühe (zu frühe!)“ Eintreffen der Nazi-Größen am Brandort.
Ihr Fazit: Während der angebliche Brandstifter Marinus van der Lubbe den Brand nicht allein gelegt haben kann, brauchten die Nazis einen Monat nach der „Machtergreifung“ einen Vorwand für die von langer Hand vorbereiteten Repressionen gegen ihre politischen Gegner – vor allem gegen die Kommunisten.
Nachdem 1949 der Schweizer NS-Kollaborateur Wilhelm Frick die Alleintäter-Legende publizistisch aus der Taufe gehoben hatte, geben mir diesbezüglich vor allem Namen wie Broszat, Mommsen und Janßen zu denken. Hinzu kommen noch Herren wie Dr. Uwe Backes (der umstrittene stellvertretende Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung e.V) und Dr. phil. Eckhard Jesse, Professor für Politische Systeme/Politische Institutionen an der TU Chemnitz – ein gern gesehener Gast des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums Zwickau – die alle diese Alleintäter-Legende stützen. Diesen „Neubewertern“ des Nationalsozialismus sei das Buch von Bahar und Kugel entgegen gestellt.
Klaus Wallmann sen.