Nach Teil 7 der Artikelreihe „Stalin – Lüge und Wahrheit“ ist es an der Zeit, den Mechanismus dieser Lügen aufzuzeigen. Mit den Lügen über die Kollektivierung der Landwirtschaft ist eine der „populärsten“ Lügen, die des von Stalin ausgelösten Holocaust des ukrainischen Volkes, eng verbunden.
Im folgenden dokumentiere ich einen etwas längeren Auszug aus Ludo Martens Buch „Stalin anders betrachtet“, der, auf zahlreiche Beweise gestützt, eindrucksvoll beweist, wie diese Lügen entstehen und welchem Zweck sie dienen. Als exemplarisches Beispiel wählte Martens dazu den angeblichen Holocaust am ukrainischen Volk.
Diese glänzend ausgearbeitete Verleumdung verdanken wir Hitlers Genie. In seinem Machwerk „Mein Kampf“ steht bereits geschrieben, dass die Ukraine zum deutschen „Lebensraum“ gehöre. Die von den Nazis in den Jahren 1934-1935 über das Thema des bolschewistischen Völkermords in der Ukraine geführte Hetzkampagne sollte als geistige Vorbereitung zur „Befreiung“ der Ukraine dienen.
Wir werden sehen, warum diese Lüge ihre nazistischen Urheber überlebt hat, um zu einer uramerikanischen Waffe zu werden. Die Fabulierungen über die „Millionen Opfer des Stalinismus“ entstanden folgendermaßen.
Am 18. Februar 1935 begann die Hearst-Presse in den USA mit der Veröffentlichung einer Artikelfolge von Thomas Walker. Als weit gereister Journalist hatte Walker jahrelang die Sowjetunion durchquert. Auf der Titelseite des „Chicago American“ vom 25. Februar stand in Riesenlettern: „Die Hungersnot in der Sowjetunion fordert 6 Millionen Tote – Ernte der Bauern beschlagnahmt, Menschen und Vieh gehen zugrunde.“ In der Mitte der gleichen Seite ein anderer Titel: „Ein Journalist wagt sein Leben für Photos dieser Massaker“ Weiter unten: „Hungersnot – Verbrechen gegen die Menschheit.“[1]
Zu dieser Zeit arbeitete Louis Fischer in Moskau für die Zeitung „The Nation“. Die Schlagzeilen seines Kollegen, ein berühmter Unbekannter, versetzten ihn in höchste Verlegenheit. Er forschte ein wenig nach und unterrichtete die Leser seines Blattes über die Ergebnisse:
„Wie man uns berichtet, ist Mr. Walker im vergangenen Frühjahr nach Rußland gekommen, also im Frühjahr 1934. Er hat die Hungersnot erlebt. Er hat ihre Opfer fotografiert. Er hat Berichte aus erster Hand über die schrecklichen Folgen des Hungers gebracht, die Ihnen das Herz zerreißen. Heute ist die Hungersnot in Rußland ein sehr aktuelles Thema. Warum hat Mr. Walker diese sensationellen Artikel 6 Monate lang in der Schublade verwahrt, bevor er sie veröffentlichte? Ich habe also die sowjetischen Behörden konsultiert. Thomas Walker war nur ein einziges Mal in der Sowjetunion. Er hatte am 29. September 1934 vom sowjetischen Konsulat in London ein Transitvisum erhalten. Er ist über Polen mit der Eisenbahn ab Negoreloje in die Sowjetunion eingereist, und zwar am 12. Oktober 1934. Nicht im Frühjahr, wie er vorgibt. Am 13. Oktober war er in Moskau. Er blieb dort vom Sonnabend, dem 13., bis Donnerstag, dem 18., und er hat dann den Transsibirienzug benutzt und die Grenze zwischen der Sowjetunion und der Mandschurei am 25. Oktober 1934 erreicht… Mr. Walker hätte unmöglicherweise in den 5 Tagen zwischen dem 13. und 18. Oktober auch nur ein Drittel der Orte aufsuchen können, die er aus ‚eigener Erfahrung‘ beschreibt! Ich vermute, dass er lange genug in Moskau geblieben ist, um von verbitterten Ausländern das ukrainische ‚lokale Kolorit‘ zu erhalten, das er brauchte, um seinen Artikeln den Anschein der falschen Wahrhaftigkeit zu verleihen.“
Fischer hatte einen Freund, auch Amerikaner, Lindsay Parrott, der Anfang 1934 in der Ukraine weilte. Parrott hat keine Spuren von Hungersnot bemerkt, eben wovon die Hearst-Presse berichtete, im Gegenteil. 1933 war ein reichliches Erntejahr gewesen. Fischer schlussfolgert:
„Die Hearst-Organisation und die Nazis arbeiten immer enger zusammen. Ich habe in Hearsts Presse keine Berichte M. Parrotts über die blühende sowjetische Ukraine gesehen. Parrott ist Mr. Hearsts Korrespondent in Moskau …“[2]
Als Bildunterschrift des Photos eines kleinen Mädchens und eines zum Skelett abgemagerten Kindes setzte Walker: „Entsetzlich! Oberhalb Charkows – ein ganz mageres Mädchen und sein 2½-jähriger Bruder. Dieses Kind kroch wie eine Kröte auf dem Erdboden umher, und sein armer kleiner Körper war mangels Nahrung so verformt, dass er keinem menschlichen Wesen mehr glich.“
Douglas Tottler, ein kanadischer Gewerkschafter und Journalist, der ein bemerkenswert gut dokumentiertes Buch über den Mythos des „Ukrainischen Völkermords“ schrieb, hat dieses Photo des Krötenkindes, datiert Frühjahr 1934 in einer Veröffentlichung des Jahres 1922 über die Hungersnot in Rußland entdeckt.
Ein anderes von Walker veröffentlichtes Photo wurde als die Aufnahme eines Soldaten der österreichischen Kavallerie neben einem toten Pferd identifiziert. Es stammte aus dem 1. Weltkrieg.[3]
Armer Mr. Walker: Seine Reportage ist eine Falschmeldung, seine Abbildungen sind gefälscht, und er selbst segelte unter falscher Flagge. In Wahrheit nannte sich dieser Mann Robert Green. Er war nach zwei Jahren Haft aus dem Gefängnis des Staates Colorado ausgebrochen, wo er eine 8-jährige Strafe verbüßen sollte. Er zog dann aus, seine Reportage über die Sowjetunion zu erfinden. Bei seiner Rückkehr in die USA wurde er verhaftet und gab vor Gericht zu, die Ukraine niemals betreten zu haben.
Der Multimillionär William Randolph Hearst war Ende des Sommers 1934 mit Hitler zusammengetroffen zwecks einer Vereinbarung die vorsah, dass Deutschland nunmehr seine internationalen Nachrichten von der „International News Service“, einer zu Hearst gehörenden Gesellschaft, beziehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Nazipresse bereits eine Kampagne bezüglich der „Hungersnot in der Ukraine“ gestartet. Hearst leistete dazu seinen Beitrag dank des Erfindergeistes seines großen Kundschafters, Mr. Walker.[4]
Weitere Augenzeugenberichte gleicher Art über die Hungersnot in der Sowjetunion folgten in der Hearst-Presse. So griff ein gewisser Fred Beal, ein amerikanischer Arbeiter, zur Feder. Er war eines Streiks wegen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden, flüchtete während der 30er Jahre in die Sowjetunion und arbeitete dort zwei Jahre lang im Traktorenwerk von Charkow. 1933 veröffentlichte er ein kleines Buch mit dem Titel „Foreign workers in a soviet Tractor Plant“, in dem er den Anstrengungen des sowjetischen Volkes Sympathie bezeugte. Ende 1933 kehrte er in die USA zurück, wo Arbeitslosigkeit, aber auch der Kerker auf ihn warteten. 1934 ging er ans Werk, die Hungersnot in der Ukraine zu beschreiben, worauf ihm die Behörden seine Haftstrafe bedeutenderweise herabsetzten. Nachdem sein „Zeugenbericht“ im Juni 1935 von Hearst veröffentlicht wurde, zeigte ein anderer amerikanischer Arbeiter, J. Wolynec, der ebenfalls fünf Jahre im gleichen Charkower Werk gearbeitet hatte, die Lügen auf, mit denen dieser Text gespickt war. Und betreffs der zahlreichen Gespräche, die Beal aufgeschnappt haben wollte, bemerkte Wolynec, dass der Autor weder die russische noch die ukrainische Sprache beherrschte. 1948 bot Beal noch immer seine Dienste der Rechtsextremen an als Belastungszeuge gegen Kommunisten vor dem McCarthy-Ausschuss.[5]
Ein Buch aus dem Hitler-Land
1935 erschien ein Buch eines Herrn Dr. Ewald Ammende in deutscher Sprache: „Muss Rußland hungern?“. Seine Quellen: Die deutsche Nazipresse, die faschistische italienische Presse, Blätter ukrainischer Emigranten sowie „Reisende“ und „Experten“, die ohne genaue Angaben zitiert wurden. Ammende veröffentlichte Photos, die seiner Bestätigung nach „zu den wichtigsten Quellen über das aktuelle wirkliche Leben in Rußland zählen“. „Die meisten wurden von einem österreichischen Spezialisten aufgenommen“, so der Autor ganz lakonisch.
Andere Abbildungen sind Eigentum des Herrn Dr. Ditloff, der bis August 1933 Direktor der Agrarkonzession der deutschen Regierung in Nordkaukasien war. Ditloff behauptete, diese Photos im Sommer 1933 „in landwirtschaftlichen Gebieten der Hungerzone“ aufgenommen zu haben. Wie aber hätte sich Dr. Ditloff als Beamter der Naziregierung in die Ukraine auf Photojagd begeben können? Unter Ditloffs Aufnahmen waren sieben, die bereits von Walker verwendet worden waren, so das „Krötenkind“. Eine andere Aufnahme zeigt zwei zu Skeletten abgemagerte Knaben, Symbol der ukrainischen Hungersnot des Jahres 1933. Das gleiche Bild konnten wir in der Fernsehserie „Rußland“ von Peter Ustinow entdecken: Es stammt aus einem Dokumentarfilm über die 1922 in Rußland herrschende Hungersnot! Ein anderes von Ammende verwendetes Photo wurde zunächst im nazistischen „Völkischen Beobachter“ vom 18. August 1933 gezeigt. Auch diese Aufnahme konnte in den Büchern aus dem Jahre 1922 identifiziert werden. Ammende hatte 1913 im Wolgagebiet gearbeitet. Während des Bürgerkriegs 1917-1918 nahm er Posten in den konterrevolutionären deutsch-freundlichen Regierungen Estlands und Lettlands ein. Dann war er für die von der deutschen Armee im März 1918 in der Ukraine eingesetzte Regierung Skoropadski tätig. Er behauptete, sich während der Hungerjahre 1921-1922 in Rußland an humanitären Hilfsaktionen beteiligt zu haben, daher auch seine Familiarität mit dem photographischen Material dieser Zeit. Jahrelang war Ammende Generalsekretär des so genannten, der Nazipartei nahe stehenden „Europäischen Nationalitätenkongresses“, in dem die Emigranten der Sowjetunion zusammengeschlossen waren. 1933 wurde Ammende ehrenhalber Sekretär des Hilfskommitees für die von Hungersnot heimgesuchten Regionen Rußlands, geleitet vom profaschistischen Wiener Kardinal Innitzer. Ammende war also mit jeder antisowjetischen Kampagne der Nazis aufs engste verbunden. Als USA-Präsident Reagan zu Beginn der 80er Jahre seinen antikommunistischen Kreuzzug startete, hielt es Professor James E. Mace von der Harvard Universität für angebracht, Ammendes Buch neu aufzulegen und unter dem Titel „Human Lift in Russia“ auf den Markt zu bringen. So geschehen im Jahre 1984. All die nazistischen Fälschungen, die gefälschten photographischen Dokumente, die Pseudoreportage Walkers über die Ukraine haben somit die mit dem Namen Harvard verbundene akademische Achtbarkeit erhalten.
Im vorangegangenen Jahr hatten ukrainische rechtsextreme Emigranten in den Vereinigten Staaten „The Great Famine in Ukraine: The Unknown Holocaust“ (Der große Hunger in der Ukraine: Der unbekannte Holocaust) veröffentlicht. Douglas Tottle konnte feststellen, dass alle Abbildungen dieses Buches aus den Jahren 1921-1922 stammten. So wurde z.B. das als Buchumschlaggestaltung benutzte Photo aus dem Informationsblatt Nr. 22, S.6, Genf, 30. April 1922[6], des Internationalen Hilfskomitees für Rußland des Dr. E Nansen genommen.
Der neonazistische Revisionismus „revidiert“ die Geschichte, um vor allem die barbarischen Verbrechen des Faschismus in der Sowjetunion zu rechtfertigen. Die Neonazis leugnen auch die von Hitlers Gefolge an den Juden begangenen Verbrechen. Sie streiten das Bestehen der Vernichtungslager ab, wo Millionen Juden umgekommen sind, aber sie erfinden den angeblich von den Kommunisten und dem Genossen Stalin bewerkstelligten „Holocaust“. Mit dieser zweiten Lüge fabrizieren sie eine Rechtfertigung des von den Nazis in der Sowjetunion verübten bestialischen Gemetzels. Und für diesen Revisionismus im Dienste des antikommunistischen Kampfes erhalten sie die vollste Unterstützung Reagans, Bushs, Thatchers und Co.
Ein Buch aus dem Einflussbereich McCarthys
Tausenden von ukrainischen Nazis ist es nach dem 2. Weltkrieg gelungen, in die USA einzureisen. In der McCarthy-Periode traten sie in ihrer Eigenschaft als Opfer der „kommunistischen Barbarei“ als Zeugen auf. Sie haben die Fabel vom Hunger-Völkermord wieder aufs Tapet gebracht, und zwar in einem 1953 und 1955 veröffentlichten 2 Bände dicken Machwerk „Black Deeds of the Kremlin“ (Verbrecherische Aktionen des Kremls), herausgegeben vom „Ukrainischen Verband der Opfer des russischen kommunistischen Terrors“ und der „Demokratischen Organisation ukrainischer Verfolgter des Sowjetregimes“.
In diesem, einem gewissen Robert Conquest so teuren Buch – er zitiert daraus in reichlichem Maße – findet man eine Glorifizierung Petljuras, des Verantwortlichen für die Massaker von mehreren Zehntausenden Juden in den Jahren 1918-1920, sowie Schuschkewitschs, des nazistischen Kommandeurs des Bataillons Nachtigall und der Ukrainischen Aufständischen Armee.
Auch die „Verbrecherischen Aktionen des Kremls“ enthält eine Abbildungsserie Völkermord-Hungersnot 1932-1933. Alles gefälscht, absichtlich gefälscht. Ein Photo mit der Unterschrift „Kleiner Kannibale“. Es stammt aus dem bereits zitierten Informationsblatt Nr. 22 des Internationalen Hilfskomitees für Rußland, 1922, wo es mit der Bildunterschrift „Kannibale aus Saporoschje – er hat seine Schwester gegessen“. Auf Seite 155 der „Black Deeds“ wird eine Aufnahme gezeigt, wo vier Soldaten und ein Offizier soeben Menschen hingerichtet haben. Darunter: „Hinrichtung von Kulaken“. Ein Detail: Die Soldaten tragen zaristische Uniform! So legt man uns also die von Zaristen verübten Morde als Beweis der „Verbrechen Stalins“ vor.[7]
Einer der Autoren des Bandes 1 der „Black Deeds of the Kremlin“ ist Alexander Hay-Holowko. Er war Propagandaminister in der Regierung der Organisation Nationalistischer Ukrainer Banderas. Im Verlaufe ihres kurzen Bestehens hat diese Regierung in Lemberg Tausende von Juden, Polen und Bolschewiki getötet. Zu den als „Sponsors“ dieses Buches genannten Personen gehört auch Anatole Bilotscherkiwskij, alias Anton Schpak, ein ehemaliger Offizier der Nazipolizei in Bila Cerkwa, wo er nach Zeugenaussage des Schriftstellers Skrybnjak die Ermordung von 2000 Menschen aus der Zivilbevölkerung leitete.[8]
Zwischen 1 und 15 Millionen Tote
Im Januar 1964 veröffentlichte Dana Dalrymple in „Soviet Studies“ einen Artikel „Die sowjetische Hungersnot von 1932-1934“. Er behauptete, sie habe 5,5 Millionen Tote gefordert, etwa der Durchschnitt von 20 Schätzungen anderer Autoren. Gleich taucht die Frage auf: Aus welchen Quellen kommen die „Schätzungen“ des Professors?
Die erste Quelle heißt Thomas Walker, der Mann mit seiner Scheinreise in die Ukraine und der, so meint Dalrymple, „wahrscheinlich des Russischen mächtig war“. Die zweite Quelle: Nikolaus Prychodko, ein rechtsextremer Emigrant, der unter der Naziokkupation Minister für Kultur und Erziehung in der Ukraine war! Er zitiert die Totenziffer 7.000.000.
Dann kommt Otto Schiller, Nazibeamter, beauftragt mit der Umorganisation der Landwirtschaft in der von den Hitlertruppen besetzten Ukraine. Sein 1943 in Berlin veröffentlichter Text mit der Angabe von 7,5 Millionen Toten wird ebenfalls von Dalrymple zitiert.
Und schließlich fließt die vierte Quelle aus Ewald Ammendes Feder, des Nazis, der seit 1922 nie wieder in Rußland gewesen war. In zwei im Juli und August 1934 in „The New York Times“ erschienenen Briefen spricht Ammende von 7,5 Millionen Hungeropfern und behauptet, im Monat Juli seien in den Straßen Kiews die Menschen verhungert. Einige Tage später widerlegte der Korrespondent des New Yorker Blattes, Harold Denny, die Aussage Ammendes: „Ihr Korrespondent war im vergangenen Juli mehrere Tage in Kiew, gerade zu dem Zeitpunkt an dem die Leute dort angeblich verhungerten, aber weder in der Stadt noch in der ländlichen Umgebung herrschte Hungersnot.“ Einige Wochen später kam Harold Denny darauf zurück: „Nirgendwo herrschte Hunger. Nirgendwo fürchtete man den Hunger. Auf den örtlichen Märkten waren Nahrungsmittel vorhanden, auch Brot. Die Bauern zeigten lachende Gesichter und gingen mit ihren Nahrungsmitteln freizügig um.“[9]
Auch Frederick Birschall spricht in einem Artikel des Jahres 1933 von über 4 Millionen Hungertoten. Er war damals in Berlin und bekundete als einer der ersten amerikanischen Journalisten seine Sympathie für die Hitlerregierung.
Die Quellen Nummer 6 bis 8 sind William H. Chamberlain, zweimal zitiert, und Eugen Lyons. Chamberlain nennt zunächst die Anzahl von 4 Millionen, danach erhöht er auf 7,5 Millionen Tote, Zahlenangaben, die „auf Schätzungen von in der Ukraine residierenden Ausländern“ beruhen, ohne weitere Präzision. Lyons 5 Millionen Hungeropfer gehen auch aus Gerüchten und Gerede, aus „Schätzungen von in Moskau lebenden Ausländern und Russen“ hervor! Chamberlain und Lyons waren zwei Berufsantikommunisten. Sie wurden Mitglied der Leitung des „Amerikanischen Ausschusses für die Befreiung vom Bolschewismus“, dessen Einkommen zu 90 Prozent aus der CIA-Kasse geflossen ist. Dieser Ausschuss leitete das Radio Liberty.
Die höchste Totenzifferangabe von 10.000.000 wird ohne genauere Bestimmung von Richard Sallet in der nazifreundlichen Hearst-Presse geliefert. 1932 lag die Zahl der rein ukrainischen Bevölkerung bei 25 Millionen Einwohnern…[10]
Von den 20 Quellen der „akademischen“ Arbeit des Mr. Dalrymple kommen 3 aus der pronazistischen Presse Hearsts, 5 stammen aus Veröffentlichungen der Rechten unter McCarthy (1949-1953). Dalrymple benutzte ferner 2 deutsche faschistische Autoren, 1 ehemaligen ukrainischen Kollaborateur, 1 russischen Rechtsemigranten, 2 CIA-Mitarbeiter und 1 mit Hitler sympathisierenden Journalisten. Eine große Anzahl der Angaben beruhen auf vagen Aussagen von nicht identifizierten „in der Sowjetunion residierenden Ausländern“. Die 2 niedrigsten Schätzungen aus dem Jahre 1933 werden von in Moskau arbeitenden amerikanischen Journalisten gemacht, beide bekannt auf Grund ihrer beruflichen Gewissenhaftigkeit: Ralph Barnes von der „New York Herald Tribune“ gibt 1 Million Tote infolge der Hungersnot an, Walter Duranty von der „New York Times“ nennt 2 Millionen.
Zwei Professoren eilen ukrainischen Nazis zu Hilfe
Zur Untermauerung seines neuen antikommunistischen Feldzugs und um seinen wahnsinnigen Rüstungswettlauf rechtfertigen zu können, unterstützte USA-Präsident Reagan 1983 eine groß angelegte Kampagne zum Gedächtnis des „50. Jahrestages des Völkermords-Hungersnot in der Ukraine“. Damit die auf dem Westen lastende niederschmetternde Bedrohung sichtbar werden konnte, brauchte man Beweise, dass der Kommunismus Völkermord bedeute. Diese Beweise wurden von Nazis und Kollaborateuren geliefert, gedeckt mit akademischer Autorität zweier amerikanischer Professoren: James E. Mace von Harvard, Mitautor des Buches „Hungersnot in der sowjetischen Ukraine“, und Walter Dushnyck, Autor von „Vor 50 Jahren: Holocaust durch Hungersnot in der Ukraine“. Terror und Misere als Instrument des russischen sowjetischen Imperialismus, Vorwort von Dana Dalrymple.
Das Harvard-Werk enthält 44 Abbildungen vom „Völkermord-Hungersnot“ zwischen 1932-1933. 24 stammen aus 2 Nazibüchern, verfasst von Laubenheimer, der die meisten seiner verwendeten Photos Ditloff zuschreibt und seine Darlegungen mit einem Zitat aus „Mein Kampf“ beginnt: „Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubenskenntnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine Krone der Totenkranz sein, dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen.“
Alle Laubenheimer-Ditloff-Fotos sind Fälschungen. Sie wurden entweder während des 1. Weltkrieges oder der Hungerperiode in den Jahren 1921-1922 aufgenommen![11] Der 2. Professor, Dushnyck, wurde als Kader der Nationalistischen Ukrainischen Organisation faschistischer Hörigkeit identifiziert, bereits Ende der 30er Jahre aktiv.
Wissenschaftliche Berechnung …
Dushnyck hat eine „wissenschaftliche“ Methode erfunden, um die Toten des „Völkermords durch Hungersnot“ zu berechnen, und Mace folgte seinen Schritten. „Nimmt man die Angaben der Volkszählung des Jahres 1926… und diejenigen der Erfassung vom 17. Januar 1939… sowie einem jährlichen Wachstumsdurchschnitt vor der Kollektivierung (2,36 Prozent), so kann errechnet werden, dass die Ukraine… im Zwischenzeitraum dieser beiden Volkszählungen 7.500.000 Menschen verloren hat.“[12] Diese Berechnungen sind absolut nichts wert.
Der 1. Weltkrieg, die Bürgerkriege und die große Hungersnot von 1920-1922 haben einen Geburtenrückgang verursacht. Da nun diese neue Generation ab 1930 gerechnet, das Alter von 16 Jahre hat, also zeugungsfähig ist – musste folglich in den 30er Jahren ein Geburtenrückgang eintreten. Auch die freie Schwangerschaftsunterbrechung verursachte, dass die Geburtenziffer in diesen 30er Jahren sank, und zwar so erheblich, dass man 1936 diese Verfahren einstellen musste, um den Bevölkerungszuwachs zu sichern.
Die Jahre 1929-1933 waren von großen heftigen Kämpfen auf dem Lande gekennzeichnet, zu bestimmten Zeiten noch von Hungersnot verschärft. Solche wirtschaftliche und soziale Bedingungen trugen ebenfalls zu einer rückgängigen Geburtenrate bei.
Weiterhin hatte sich die Zahl der als Ukrainer eingetragenen Personen verändert infolge der Schließung von Mischehen, erklärten Wechsels der Nationalitätszugehörigkeit und Auswanderungen.
Schließlich hatte die Ukraine 1939 nicht die gleichen Grenzen wie 1926. Ende der 20er Jahre wurden die zwischen 2 und 3 Millionen zählenden Kubankosaken, 1926 als Ukrainer erfasst, wieder als Russen klassifiziert. Allein diese neue Einordnung erklärt schon 25 bis 40 Prozent der von Dushnyck-Mace errechneten „Opfer des Völkermords durch Hungersnot“.[13]
Es sei noch hinzugefügt, dass nach offiziellen Angaben die Bevölkerung der Ukraine zwischen 1926 und 1939 einen Zuwachs von 3.339.000 Menschen zu verzeichnen hatte und gegenübergestellt sei dabei das Wachstum der jüdischen Bevölkerung unter den Bedingungen des von den Nazis organisierten wahrhaften Völkermords.[14]
Um die Gültigkeit der „Dushnyck-Methode“ zu testen, hat Douglas Tottle ein Exempel statuiert. In der Provinz Saskatchewan in Kanada, waren in den 30er Jahren große Kämpfe der Landbevölkerung ausgebrochen, die oft blutig unterdrückt wurden. Tottle wollte die von der bürgerlichen kanadischen Armee in dieser Provinz verursachten Opfer des „Unterdrückungsvölkermords“ berechnen.
Bevölkerung im Jahre 1931: 921.785
Wachstumsrate von 1921-1931: 22 Prozent
Veranschlagte Bevölkerung 1941: 1.124.578
Reale Bevölkerungszahl 1941: 895.992
Opfer des Unterdrückungsvölkermords: 228.586
Opfer in Prozenten von 1931: 25 Prozent
Diese auf Kanada angewandte „wissenschaftliche Methode“ wird von jedem vernünftigen Menschen als groteske Farce bezeichnet werden. In bezug auf die Sowjetunion jedoch wird sie weitgehendst in den Veröffentlichungen der Rechten benutzt als Beweis des „stalinistischen“ Terrors.
Üble Ausnutzung der Filmkunst
Die von den Nazis 1933 gestartete Hetzkampagne „Völkermord-Hungersnot“ hat ein halbes Jahrhundert später ihren Gipfel erreicht mit dem 1983 für das breite Publikum bestimmten Film „Harvest of Despair“ und 1986 mit dem Buch Robert Conquests, „Harvest of Sorrow“, das sich an die Intellektuellen wendet.
Die Filme „Harvest of Despair“ über den „Völkermord“ in der Ukraine und „The Killing Fields“ über den „Völkermord“ in Kambodscha waren die beiden wichtigsten Werke, die von Anhängern Reagans geschaffen wurden, um die Leute davon zu überzeugen, dass Kommunismus gleichbedeutend mit Völkermord ist.
„Harvest of Despair“ wurde 1985 auf dem 28. Internationalen Film- und Fernsehfestival in New York mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Die in diesem Film gezeigten wichtigsten Zeugenberichte über den „Völkermord“ stammen von deutschen Nazis und ihren ehemaligen Kollaborateuren. Der erste Zeuge, Stepan Skrypnyk, war unter der deutschen Besetzung Schriftleiter der Nazizeitung Volyn. Binnen 3 Wochen wurde dieser Mann mit dem Segen der Hitlerbehörden aus dem weltlichen Stand in den Bischofsrang der ukrainischen orthodoxen Kirche erhoben, und im Namen der „christlichen Moral“ schlug er laut die Propagandatrommel für die „Neue Ordnung“. Bei Kriegsende floh er in die USA. Ein anderer Zeuge, der Deutsche Hans von Herwarth, arbeitete in der Sowjetunion im Amt für Anwerbung sowjetischer Kriegsgefangener für die Armee des Generals Wlassow.
Sein Landsmann Andor Henke, ebenfalls mit Auftritt im Film, war ein Nazidiplomat. Zur Illustration des „Völkermords-Hungersnot“ von 1932-1933 haben die Filmautoren vor 1917 gedrehte Aktualitätsszenen, Auszüge aus Filmen „Der Hungerzug“, 1922, „Arsenal“, 1929, sowie aus dem während des 2. Weltkriegs entstandenen Film „Belagerung Leningrads“ benutzt.
Marco Carynnik, von dem die Idee des Films ausging und der auch die Untersuchungen leitete, gab auf die 1986 dieser Fälschungen wegen vorgebrachten offenen Angriffe eine öffentliche Erklärung ab: „Keiner der Filmarchivauszüge stammt aus der ukrainischen Hungersnotsperiode, und es sind sehr wenige Aufnahmen aus den Jahren 1932-1933, deren Authentizität nachgewiesen werden konnte. Die dramatische Bildfolge eines abgezehrten Mädchens am Ende des Films, die auch als Werbe- und Förderungsmaterial benutzt wurde, entstand nicht während der Hungersnot von 1932-1933.“ „Ich habe zu verstehen gegeben, dass diese Art von Unstimmigkeiten nicht zulässig ist“, führte er in einem Interview aus, „aber man hat nicht auf mich hören wollen“.[15]
Harvest of Sorrow
Conquest und die Wiederbekehrung der ukrainischen Nazis
Im Januar 1978 veröffentlichte David Leigh im „London Guardian“ einen Artikel, in dem er enthüllte, dass Robert Conquest für den Desinformationsdienst, offiziell „Information Research Department“ genannt, des englischen Geheimdienstes gearbeitet hatte. In den englischen Botschaften hat der IRD-Beauftragte die Aufgabe, „erschwindeltes“ Informationsmaterial in die Reichweite von Journalisten und öffentlichen Persönlichkeiten zu stellen. Leigh bestätigt:
„Robert Conquest stand im Dienst des Information Research Department. Er hat bis 1956 für das Außenministerium gearbeitet“[16]
Auf Vorschlag des IRD schrieb Conquest ein Buch über die Sowjetunion. Ein Drittel der Ausgabe wurde von Praeger aufgekauft, der oft auf Verlangen des CIA Bücher veröffentlicht und verkauft. 1986 leistete Conquest einen bedeutenden Beitrag zur Hetzkampagne Reagans, um das amerikanische Volk mit der Idee einer eventuellen Besetzung der Vereinigten Staaten durch die Rote Armee zu mobilisieren! Conquests Buch trägt den Titel „Was tun, wenn die Russen kommen: eine Anleitung zum Überleben“.
In seinem Buch aus dem Jahre 1973 „Der große Terror“ hatte Conquest die geschätzte Anzahl der Toten während der Kollektivierung 1932-1933 zwischen 5 und 6 Millionen geschätzt, die Hälfte davon in der Ukraine. Genau 10 Jahre später, in den Jahren Reagans, erachtete Conquest angesichts der antikommunistischen Hysterie es als gegeben, die Hungersnotzustände bis auf das Jahr 1937 auszudehnen und seine „Schätzungen“ auf 14 Millionen Tote zu erhöhen.
Sein 1986 veröffentlichtes Buch „Harvest of Sorrow“ ist eine pseudoakademische Geschichtauslegung, so wie sie eben seit den 30er Jahren von der ukrainischen Extrem-Rechten erzählt wird. Conquest behauptet, die ukrainische Extrem-Rechte habe einen „antideutschen und antisowjetischen“ Kampf geführt, wobei er die Lüge aufgreift und wiederholt, die von den kriminellen Banden nach ihrer Niederlage erfunden wurde, als sie versuchten, in die USA einzuwandern. Bei der Behandlung der ukrainischen Geschichte erwähnt Conquest die Nazibesetzung mit einem Satz als eine Periode zwischen zwei Wellen des roten Terrors![17] Er entfernte aus seiner Beschreibung vollständig den bestialischen Terror, den die ukrainischen Faschisten während der deutschen Okkupation ausübten. Holte er doch aus ihren Reihen seine besten Informanten bezüglich des „Völkermords durch Hungersnot“.
Roman Schuschkewitsch kommandierte das Bataillon Nachtigall, zusammengewürfelt aus nationalistischen Ukrainern in deutscher Uniform. Sein Bataillon besetzte am 30. Juni 1941 Lwow und metzelte dort 7.000 Juden nieder – binnen 3 Tagen. 1943 wurde Schuschkewitsch zum Kommandeur der Ukrainischen Aufständischen Armee Stepan Banderas ernannt, deren Gefolgsmänner nach dem Kriege behaupteten, die Deutschen und die Roten bekämpft zu haben.[18]
Alle ihre Berichte über die Kämpfe, die diese Leute angeblich gegen die Deutschen geführt haben wollen, haben sich als Fälschungen erwiesen. Sie hätten den Generalstabschef der SA, Viktor Lutze, erschossen. Er verunglückte aber tödlich bei einem Autounfall in der Nähe Berlins. Sie hätten auch im Sommer 1943 bei Wolnia gegen 10.000 deutsche Soldaten gekämpft. Der Historiker Reuben Ainsztein hat aber nachgewiesen, dass im Verlaufe dieser Schlacht 5.000 ukrainische Nationalisten an der Seite von 10.000 deutschen Soldaten an einer großen, gegen die von dem bekannten Bolschewiki Alexej Fedorow geleitete Partisanenarmee gerichtete Einkreisungsoffensive mit deren anschließender Vernichtung teilgenommen haben![19]
Ainsztein schreibt:
„Die Banden der Ukrainischen Aufständischen Armee, bekannt unter dem Namen Banderisten, haben sich als die gefährlichsten und grausamsten Feinde der überlebenden Juden, der Bauern und polnischen Siedler sowie aller antideutschen Partisanen erwiesen“[20]
Die 14. Waffen-SS-Division Galizien oder Division Halyschyna, wurde im Mai 1943 aufgestellt. In seinem Aufruf an die Ukrainer zum Eintritt in diese Formation erklärte Kupijowitsch, der Führer der Ukrainischen Nationalistenorganisation, Tendenz Melnik:
„Jetzt ist der lang erwartete Augenblick gekommen, da das ukrainische Volk wieder die Chance hat, mit der Waffe in der Hand zu handeln, um seinen schrecklichsten Feind, den Moskauer Juden-Bolschewismus zu bekämpfen. Der Führer des Großdeutschen Reiches hat die Aufstellung einer separaten Einheit von ukrainischen Freiwilligen genehmigt.“[21]
Vorher hatten die Nazis der Ukraine ihre direkte Herrschaft aufgezwungen und ihren ukrainischen Verbündeten keine Selbstständigkeit gelassen. Diese Rivalität zwischen deutschen und ukrainischen Faschisten bildete die Grundlage auf der die ukrainischen Nationalisten später den Mythos ihrer „Opposition gegenüber den Deutschen“ errichteten.
1943 änderten die von der Roten Armee zurückgedrängten Nazis ihre Taktik und erkannten den ukrainischen Mörderbanden eine größere Rolle zu. Die Aufstellung einer „ukrainischen“ Waffen-SS-Division wurde als ein Sieg des „ukrainischen Nationalismus“ gewertet! Am 16. Mai 1944 beglückwünschte SS-Chef Himmler die Division Galizien, die Ukraine judenrein gemacht zu haben.
Wasyl Veryha, ein Veteran der 14. Waffen-SS-Division und Anhänger Melniks, schrieb 1968:
„Das in die Division eingezogene Personal wurde zum Rückgrat der Ukrainischen Aufständischen Armee. (…) Der Befehlsstand schickte auch seine Leute in die Division, wo sie eine geeignete militärische Ausbildung erhielten. Das verstärkte die auf dem vaterländischen Boden zurückgelassene Aufstandsarmee (nach dem Rückzug der Deutschen), vor allem seitens ihrer Kommandeure und Instrukteure.“[22]
Obwohl die Organisation Ukrainischer Nationalisten, Tendenz Melnik und die Aufständische Armee, Banderaleute, Konkurrenten waren, die sich manchmal mit der Waffe in der Hand bekämpften, sehen wir doch hier wie beide Tendenzen unter Führung der deutschen Nazis gegen die Kommunisten kollaboriert haben.
Der Nazioffizier Scholze sagte vor dem Nürnberger Gerichtshof aus, der deutsche Abwehrchef Canaris habe „Anweisungen erteilt für die Errichtung von Geheimnetzen zur Fortsetzung des Kampfes gegen die Sowjetmacht in der Ukraine. (…) Man habe extra fähige Agenten zurückgelassen zur Führung der nationalistischen Bewegung“.[23] Erwähnt sei hier, dass die trotzkistische Gruppe Mandels immer noch den bewaffneten „antistalinistischen“ Kampf verteidigt, den die Nazibanden der Organisation Nationalistischer Ukrainer von 1944 bis 1952 geführt haben.
John Loftus war während des Krieges verantwortlicher Mitarbeiter in der Justizabteilung des Spezialforschungsdienstes und beauftragt, die Nazis ausfindig zu machen, die versucht haben, in die USA einzudringen. In seinem Buch „The Belarus Secret“ (Das Weissrussische Geheimnis) bestätigt er, dass sich seine Dienststelle dem Zutritt von ukrainischen Nazis in die Staaten widersetzte. Frank Wisner jedoch, der das Amt für politische Koordination, ein Geheimdienst, leitete, ließ systematisch ehemaligen ukrainischen, kroatischen und ungarischen Nazis freien Lauf. Wisner spielte später eine wichtige Rolle an der CIA-Spitze. Er erklärte:
„Die Organisation der Ukrainischen Nationalisten und die von ihr 1942 aufgestellte Partisanenarmee (sic!) sowie die Ukrainische Aufständische Armee haben sowohl gegen die Deutschen als auch gegen die Sowjetrussen erbittert gekämpft.“ Hier sieht man wie die amerikanischen Geheimdienste bei Kriegsende sofort die von den ukrainischen Nazis verbreitete Geschichtsauslegung aufgegriffen haben mit dem Ziel, diese Antikommunisten im geheimen Kampf gegen die Sowjetunion einzusetzen. Die Antwort Loftus an Wisner:
„Das ist völlig falsch. Das US Counter-Intelligence Corps hatte einen Agenten, der 11 Bände voll mit geheimen internen Karteikarten und -blättern der Organisation der Ukrainischen Nationalisten betreffs Bandera fotografiert hat. Diese Unterlagen zeigen deutlich, dass die meisten ihrer Mitglieder für die Gestapo oder die SS gearbeitet haben: als Polizisten, Hinrichtungskommandos, Partisanenjäger und Beamte von Gemeindeverwaltungen.“[24]
Die alten ukrainischen Nazis haben in den USA „Forschungsinstitute“ gegründet von wo aus sie ihre revisionistischen Auslegungen der Geschichte des 2. Weltkriegs verbreiten. Loftus bemerkt dazu:
„Die Finanzierung dieser ‚Forschungsinstitute‘, die kaum etwas anderes waren als Deckungsgruppen für ehemalige nazistische Geheimdienstoffiziere, kam vom Amerikanischen Ausschuss für die Befreiung vom Bolschewismus“[25]
„Gegen Hitler und gegen Stalin“, unter diesem Schlagwort vereinten die ehemaligen Hitlergefolgschaftsmänner und der CIA ihre Anstrengungen. Für nicht oder nur sehr wenig informierte Leute kann die Formulierung „gegen den Faschismus und gegen die Kommunismus“ als ein „dritter Weg“ erscheinen. Es ist jedoch nicht so. Diese Parole einte nach der Naziniederlage die ehemaligen auf wilder Flucht befindlichen Verfechter Großdeutschlands und ihre amerikanischen Nachfolger, die auf die Weltherrschaft abzielen.
Da Hitler nunmehr der Vergangenheit angehörte schlossen sich die deutschen, ukrainischen, kroatischen und andere Extrem-Rechte der amerikanischen äußersten Rechten an. Sie vereinten ihre Kräfte gegen den Sozialismus, gegen die Sowjetunion, die doch die Hauptlast des antifaschistischen Krieges getragen hatte. Um alle Kräfte der Bourgeoisie für ihre Sache gewinnen zu können, schütteten sie eine Flut von Lügen über den Sozialismus aus mit der Behauptung, er sei schlimmer als der Nazismus. Mit der Formulierung „Gegen Hitler und gegen Stalin“ gingen sie in geschickter leutseliger Manier daran, die von Stalin verübten „Verbrechen“ und „Holocausts“ darzulegen, um danach kurz und bündig die monströsen Verbrechen und den Holocaust Hitlers abzuleugnen. 1986 veröffentlichten Veteranen der Ukrainischen Aufständischen Armee, eben dieselben Leute, die vorgaben, „gegen Hitler und gegen Stalin“ gekämpft zu haben, ein Buch „Warum ist ein Holocaust mehr wert als ein anderer?“. Die Feder führte ein Mitglied der Aufstandsarmee, Juri Schumatski, unter Bedauern, dass „revisionistische Historiker, die das Bestehen der Gaskammern abstreiten, behaupten, dass weniger als 1 Million Juden getötet oder verfolgt worden seien“, schreibt Schumatski weiter:
„Nach Erklärungen von Zionisten hat Hitler 6 Millionen Juden umgebracht. Stalin aber ist es gelungen, unterstützt vom jüdischen Staatsapparat, zehnmal mehr Christen zu töten.“[26]
Die faschistischen Quellen Conquests
Wenn Conquest in „Harvest of Sorrow“ die Geschichtsauslegung der ukrainischen Nazis aufnimmt, so deshalb, weil die ehemaligen Mitglieder der Waffen-SS-Division Galizien und der Ukrainischen Aufständischen Armee ihm die wichtigste seiner „Quellen“ betreffs des „Völkermords durch Hungersnot“ von 1932-1933 geliefert haben. Hier die Beweise: Der Hauptteil, das 12. Kapitel des „Harvest of Sorrow“, trägt die Überschrift „Die Hungersnot greift stürmisch um sich“. Es enthält eine beeindruckende Liste von 237 Referenzen. Bei genauerer Durchsicht stellt man fest, dass bei mehr als über die Hälfte auf ukrainische Rechtsemigranten verwiesen wird. Das Machwerk ukrainischer Faschisten „Black Deeds of the Kremlin“ wird 55-mal zitiert.
Im gleichen Kapitel führt Conquest 18-mal das Buch „The Ninth Circle“ (Der neunte Kreis) von Olexa Woropay an. Es wurde 1953 von der Jugendbewegung der faschistischen Organisation Stepan Bandera veröffentlicht. Der Autor legt seine Biografie vor, in Einzelheiten der 30er Jahre schweigt aber darüber, was er während der deutschen Okkupation getan hat! Ein kaum verhehltes Geständnis seiner Nazivergangenheit. Er nimmt seine Lebensbeschreibung ab 1948 wieder auf, und zwar in München, wo viele ukrainische Faschisten Unterschlupf gefunden hatten. Und dort hat er auch Ukrainer interviewt, eben über den Völkermord infolge von Hungersnot der Jahre 1932-1933. Keiner der „Zeugen“ ist identifiziert, was das Werk bar jeglichen wissenschaftlichen Charakters macht. Kein Zeuge berichtet uns über seine Tätigkeit während des Krieges, was die Hypothese ermöglicht, dass es sich um flüchtige ukrainische Nazis handelt, die „die Wahrheit über den Stalinismus offenbaren.“[27]
Beal, der mit der US-amerikanischen Polizei zusammenarbeitete und in der profaschistischen Hearst-Presse schrieb, wird 5-mal von Conquest zitiert. Krawtschenko, ein antikommunistischer Emigrant, dient 6-mal als Quelle, Lew Kopelew, ein anderer russischer Emigrant 5-mal. Einen guten Platz unter den wissenschaftlichen Referenz nimmt ein Roman von Grossman ein, Conquest bezieht sich gleich 15-mal darauf. Conquest zitiert die Interviews des vom CIA finanzierten „Project Refugies“ (Flüchtlingsprojekt) von Harvard. Er zitiert auch den Kongressausschuss über die Kommunistische Aggression aus McCarthys Zeiten. Dann noch das Nazibuch von Ewald Ammende aus dem Jahr 1936. Conquest beruft sich 5-mal auf Eugen Lyons und William Chamberlain, zwei Leute, die im Leitungskomitee der CIA-Station Radio Liberty saßen.
Auf Seite 244 führt Conquest „einen Amerikaner“ an, der „in einem Dorf 30 km südlich von Kiew“ hungrige Menschen gesehen hat: „In einer Hütte kochten sie irgendeinen, undefinierbaren schmutzigen Fraß zusammen.“ Quellenhinweis: New York Evening Journal, 18. Februar 1933. In Wirklichkeit handelte es sich um den Artikel von Thomas Walker in der Hearst-Presse, veröffentlicht 1935! Conquest hat absichtlich die Zeitungsausgabe vordatiert, damit die Aussage dem Hungerjahr 1933 entspricht. Conquest macht keinesfalls den Amerikaner namhaft: Fürchtet er doch, dass manche Leser sich daran erinnern könnten, dass Thomas Walker ein Fälscher war, der niemals ukrainischen Boden betreten hatte. Conquest ist ein Fälscher. Um die Verwendung von Büchern, geschrieben von Emigranten, mit allen Gerüchten und Gerede, rechtfertigen zu können, erklärte Conquest:
„Die Wahrheit kann also nur in Form von Gerede herausgefiltert werden“ und „in bezug auf politische Fragen gilt, obwohl nicht unfehlbar, als beste Quelle die Volksstimme“.[28]
Das heißt doch wohl, die Falschmeldung, die Desinformation, die faschistischen Lügen auf das Niveau der akademischen Respektabilität zu erheben.
Die Ursachen der Hungersnot in der Ukraine
Gewiss, in den Jahren 1932-1933 hungerte man in der Ukraine. Aber hauptsächlich, weil die ukrainische Extremrechte einen unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod gegen den Sozialismus und die Kollektivierung der Landwirtschaft führte.
Bereits in den 30er Jahren hat diese äußerste Rechte, verbunden mit der Hitlergefolgschaft, das Thema der „bewusst hervorgerufenen Hungersnot zur Beseitigung des ukrainischen Volkes“ gründlichst ausgenutzt. Nach dem 2. Weltkrieg jedoch hat sie diese Propaganda auf das Ziel „ausgerichtet“, die von den Nazis begangenen Verbrechen zu decken und die Kräfte des Westens gegen den Kommunismus zu mobilisieren.
Hatte sich doch Anfang der 50er Jahre die Wahrheit über die Vernichtung des Lebens von 6 Millionen Juden in das Weltgewissen geprägt. Die Extremrechte aller Länder brauchte also eine höhere Todesopferzahl, „hervorgerufen vom kommunistischen Terror“. Und 1953, dem Jahr des triumphierenden McCarthysmus, erlebte man wie die Anzahl der in der Ukraine – 20 Jahre vorher – verstorbenen Menschen sprunghaft in die Höhe ging. Da die Juden bewusst, sogar wissenschaftlicherweise umgebracht worden waren, musste auch die „Ausrottung“ des ukrainischen Volkes die Form eines kaltblütig begangenen Völkermords erhalten.
Und so erfand die Extremrechte, die mit Überzeugung den Holocaust der Juden leugnet, den ukrainischen Holocaust!
Die Hungerperiode 1932-1933 in der Ukraine hatte vier Ursachen. Vor allem entstand sie infolge des von den Kulaken und reaktionären Elementen ausgelösten wahrhaften Bürgerkriegs gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft. Frederick Schuman bereiste die Ukraine während dieser Zeit als Tourist. Als späterer Professor am Williams College veröffentlichte er 1957 ein Buch über die Sowjetunion. Er spricht darin von der Hungersnot.
„Die Opposition (der Kulaken) kam zunächst in Form von Abschlachtungen der Viehbestände und Pferde zum Ausdruck. Die Tiere sollten nicht kollektiviert werden. Das Ergebnis war ein harter Schlag für die sowjetische Landwirtschaft, weil die meisten Kühe und Pferde den Kulaken gehörten. Zwischen 1928 und 1933 ging die Anzahl des Pferdebestandes von nahezu 30 Millionen auf weniger als 15 Millionen zurück; von 70 Millionen Stück Rindern, davon 31 Mill. Kühe, fiel man auf 38 Millionen, davon 20 Mill. Kühe. Bei Schafen und Ziegen verminderte sich der Bestand von 147 auf 50 Millionen und bei Hausschweinen von 20 auf 12 Millionen. Die sowjetische Landwirtschaft hatte sich 1941 noch nicht von diesen schrecklichen Verlusten erholt. (…) Manche (Kulaken) haben Funktionäre ermordet, Gemeineigentum angezündet, ja sogar ihre eigene Ernte und Saatgut verbrannt. Eine größere Anzahl noch hat sich geweigert zu säen und zu ernten, vielleicht in der Überzeugung, dass die Behörden ihnen Zugeständnisse machen und jedenfalls die Ernährung sichern würden. Und daraus folgte dann die ‚Hungersnot‘ der Jahre 1932-1933. (…) Traurige Berichte, meistens fiktiv, erschienen in der Nazipresse Deutschlands sowie in den USA in Hearst-Blättern. (…) Die ‚Hungersnot‘ war in ihren späteren Phasen nicht das Ergebnis eines Nahrungsmitteldefizits trotz der bedeutend geminderten Saaten und Ernten, die wiederum Folgen von Sonderrequisitionen im Frühjahr 1932 angesichts eines befürchteten Krieges mit Japan waren. Die meisten Opfer waren Kulaken, die sich weigerten, ihre Felder zu bestellen oder die ihre Ernte vernichtet hatten.“[29]
Es ist interessant festzustellen, dass dieser Augenzeugenbericht von einem Artikel bestätigt wird, den Isaak Mazepa, Chef der ukrainischen nationalistischen Bewegung und 1918 Ministerpräsident Petljuras, 1934 veröffentlichte. Mazepa brüstet sich darin, dass es der Rechten in der Ukraine gelungen sei, die Arbeiten in der Landwirtschaft auf großer Ebene zu sabotieren.
„Zunächst kam es zu Unruhen in den Kolchosen, und übrigens wurden die kommunistischen Funktionäre und ihre Helfer getötet. Später jedoch entwickelte man ein System des passiven Widerstands mit dem Ziel, systematisch die Feldbestellungs- und Erntepläne der Bolschewiki zu durchkreuzen. Überall leisteten die Bauern passiven Widerstand, aber in der Ukraine nahm er den Charakter eines nationalen Kampfes an. Die Opposition der ukrainischen Bevölkerung hat den Ablieferungsplan für 1931 zunichte gemacht, ebenfalls den Plan des Jahres 1932. Die Katastrophe von 1932 war der härteste Schlag, den die sowjetische Ukraine seit den Hungerjahren 1921-1922 einstecken musste. Die geplanten Saatzeiten scheiterten sowohl im Herbst als auch im Frühjahr. Ganze Flächen blieben brach liegen. Außerdem wurden im vorhergehenden Jahr in manchen Gegenden, vor allem im Süden, die Ernten nicht voll eingebracht. 20, 40, sogar 50 Prozent wurden auf dem Halm gelassen, überhaupt nicht eingefahren, oder beim Dreschen zerstört.“[30]
Die zweite Hungersnotursache war die Trockenheit, die über weite Teile der Ukraine 1930, 1931 und 1932 hereingebrochen war. James E. Mace von der Harvard Universität meint, es handele sich um eine vom Sowjetregime erfundene Fabel. Jedoch einer der hauptsächlichen nationalistischen Historiker, Michail Chruschewskij, bestätigt in seiner Geschichte der Ukraine in bezug auf das Jahr 1932: „Dieses erneute Dürrejahr trat gleichzeitig mit den chaotischen Zuständen in der Landwirtschaft ein.“[31]
Professor Nicholas Rjasnowskij, der am Russischen Forschungszentrum von Harvard lehrte, schrieb darüber, dass in den Jahren 1931 und 1932 Trockenheit herrschte. Und Professor Michael Florinsky, während des Bürgerkriegs antibolschewistischer Kämpfer, bemerkte: „Ernsthafte Dürrezeiten der Jahre 1930 und 1931 haben besonders in der Ukraine die Lage der Landwirtschaft erschwert und einer Hungersnot nahe kommende Bedingungen geschaffen“[31]
Drittens wirkte eine in der Ukraine und Nordkaukasien wütende Typhusepidemie erschwerend ein. Hans Blumenfeld, ein bekannter kanadischer Architekt, weilte während der Hungerperiode in der Ukraine in der Stadt Majajewka. Er schrieb: „Zweifelsohne hat der Hunger viel Opfer gefordert. Ich verfüge über keine Grundlage, ihre Anzahl ermitteln zu können. (…) Wahrscheinlich wurden die meisten Todesfälle des Jahres von der Typhusepidemie, dem Nervenfieber und der Ruhr hervorgerufen. In Majajewka waren vom Wasser übertragene Krankheiten häufig. Ich habe ganz knapp einen Nervenfieberanfall überlebt.“ Horsley Gantt, der Mann mit seiner erfundenen absurden Schätzung von 15 Millionen Hungertoten – 60 Prozent einer ukrainischen Bevölkerung von 25 Millionen im Jahre 1932 – gibt aber trotzdem zu, dass „der Höhepunkt einer Typhusepidemie mit dem Höhepunkt der Hungersnot zeitlich zusammenfällt. (…) Es ist unmöglich, die meisten Todesopfer fordernde Ursache von der anderen zu trennen.“[33]
Schließlich ist die vierte Ursache in dem Durcheinander zu suchen, das unvermeidbar infolge der Umgestaltung der Landwirtschaft entstanden war und der so tief greifenden Umwälzungen aller ökonomischen und sozialen Beziehungen: Mangelnde Erfahrung, Improvisation und verworrene Anordnungen, fehlende Vorbereitung, linksradikales Verhalten der ärmsten Bevölkerungsschichten und gewisser Funktionäre.
Die Hungertotenziffer von 1 bis 2 Millionen ist bedeutend. Diese menschlichen Verluste beruhen weitgehendst auf der hartnäckigen Opposition der Ausbeuterklasse, sowie der Umorganisation und Modernisierung der Landwirtschaft auf einer sozialistischen Basis. Die Bourgeoisie setzt aber diese Toten auf das Konto Stalins und des Sozialismus. Die Anzahl von 1 bis 2 Millionen Toten muss auch mit den 9 Millionen Hungertoten der Jahre 1920-1921 verglichen werden, einer Hungersnot, die hauptsächlich durch die militärische Intervention von acht imperialistischen Mächten und deren Unterstützung bewaffneter reaktionärer Gruppen verursacht wurde.
Die Hungersnot ging nicht über die Vorerntezeit des Jahres 1933 hinaus. Außerordentliche Maßnahmen wurden von der Sowjetregierung ergriffen, die eine erfolgreiche Ernte des Jahres 1933 sicherten. Im Frühjahr wurden 35 Mill. kg Saatgut, Nahrungsmittel und Viehfutter in die Ukraine geschickt. Organisation und Leitung der Kolchosen wurden verbessert, mehrere tausend Traktoren, gekoppelte Nutzfahrzeuge und LKW wurden zusätzlich geliefert. Hans Blumenfeld resümierte in seinen Memoiren, was er während der Hungerszeit in der Ukraine erlebt hatte.
„Ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren (war die Ursache). Zunächst hat der heiße und trockene Sommer 1932, den ich nördlich von Wjatka erlebte, in den halbausgetrockneten Regionen des Südens die Ernten zunichte gemacht. Dann hat der Kampf um die Kollektivierung die Landwirtschaft desorganisiert. Die Kollektivierung war kein Verfahren, das auf Befehl und nach bürokratischen Regeln durchgeführt wurde. Sie bestand vielmehr in Aktionen verarmter, von der Partei ermutigter Bauern. Die arme Landbevölkerung ging zwar begeistert an die Enteignung der ‚Kulaken‘, zeigte sich aber weniger bereit, eine kooperative Wirtschaft zu organisieren. 1930 hatte die Partei schon Kader ausgeschickt, um den eingetretenen Ausschreitungen entgegenzuwirken und diese zu korrigieren. (…) Nachdem die Partei 1930 mit Vorsicht zuwege gegangen war, löste sie 1932 eine neue Offensive aus. Folge war, dass die Kulakenwirtschaft in diesem Jahr aufhörte zu produzieren, die neue Kollektivwirtschaft jedoch noch keinen vollen Ertrag zeigte. Mit einer unangepassten Agrarproduktion deckte man zuerst die Bedürfnisse der städtischen Industrie und der bewaffneten Kräfte. Da die Zukunft der gesamten Nation, einschließlich der Bauern, von diesen Kräften abhing, konnte man wohl kaum anders verfahren. (…) 1933 fiel ausreichend Regen. Die Partei schickte ihre besten Kader aus zum Helfen bei der organisatorischen Arbeit in den Kolchosen. Sie waren erfolgreich. Nach der Ernte 1933 verbesserte sich die Lage radikal und mit einer überraschenden Geschwindigkeit. Ich hatte das Gefühl, als ob wir einen sehr schweren Karren einen steilen Berg hinaufgeschoben hätten, ohne zu wissen, ob es uns gelingen könnte; im Herbst 1933 aber hatten wir den Gipfel überschritten und seitdem konnten wir in beschleunigtem Tempo weiter vorankommen.“[34]
Hans Blumenfeld hebt hervor, dass die Hungersnot sowohl die russischen Regionen an der Unteren Wolga, Nordkaukasien als auch die Ukraine heimgesucht habe.
„Dies widerlegt die ‚Tatsache‘ eines antiukrainischen Völkermords als Parallele zum von Hitler verübten antisemitischen Holocaust. Für alle diejenigen, die um den hoffnungslosen Mangel an Arbeitskräften in der damaligen Sowjetunion Bescheid wussten, ist es wohl eine absurde Idee, dass ihre Staatsmänner bewusst diese spärliche Ressource reduziert hätten.“[35]
Die Ukraine unter der Naziokkupation
Die japanischen Armeen besetzten 1931 die Mandschurei und bezogen entlang der sowjetischen Grenze Stellung. Hitler kam im Januar 1933 zur Macht. Die von der Sowjetunion im Zeitraum 1928-1933 ins Werk gesetzten Umgestaltungsprogramme für Industrie und Landwirtschaft kamen gerade zur rechten Zeit.
Nur dank ihrer Verwirklichung und zum Preis einer völligen Mobilisierung der Kräfte war der siegreiche Widerstand gegen die Nazis möglich.
Ironie der Geschichte: Die Nazis begannen, ihren eigenen Lügen über den ukrainischen Völkermord und die prekäre Lage des sowjetischen Systems Glauben beizumessen. Der Historiker Heinz Hohne schreibt dazu:
„Zwei blutige Kriegsjahre in Rußland, die nicht nur die Illusion eines einzelnen Menschen zerstörten, bringen wohl den grausamem Beweis von der Unrichtigkeit der Fabel vom ‚Untermenschen‘. Schon ab August 1942 hatte der Sicherheitsdienst in seinen Reichsberichten festgestellt, dass im deutschen Volk das Gefühl wachse, Opfer von Trugbildern zu sein. Der vorherrschende und erschreckende Eindruck ist die große Masse sowjetischer Waffen und ihre technische Qualität sowie die von den Sowjetmenschen aufgebrachte gigantische Kraft bei der Industrialisierung – all das steht im krassen Widerspruch zum bisherigen Bild von der Sowjetunion. Die Leute fragen sich, wie ist es dem Bolschewismus gelungen, all dies zu produzieren?“[36]
Der amerikanische Professor William Mandel schrieb 1985:
„Im Ostteil, dem weit ausgedehntesten Gebiet der Ukraine, seit 20 Jahren sowjetisch, war die Loyalität vorherrschend und fast allgemein. Es gab dort eine halbe Million sowjetischer Guerillas (…) und 4,5 Millionen Soldaten aus dem ukrainischen Volk kämpften in der Sowjetarmee. Offensichtlich wäre wohl diese Armee geschwächt worden, wenn sich aus so breit gefächerten Komponente bedeutsame Teile gelöst hätten“ Und der Historiker Roman Szporluk gesteht, dass die „operationellen Zonen des organisierten ukrainischen Nationalismus (…) auf die alten polnischen Territorien begrenzt blieben“, d.h. auf Galizien. Unter der polnischen Besetzung hatte die ukrainische Faschistenbewegung dort ihre Basis bis zum Jahre 1939.[37]
Die Lüge über den ukrainischen Holocaust wurde von den Hitlergefolgschaften im Rahmen ihrer Vorbereitung zur Eroberung des ukrainischen Landes erfunden. Sobald sie aber ukrainischen Boden betreten hatten, stießen die faschistischen „Befreier“ auf einen zu dem heftigsten zählenden Widerstand. Alexej Fjodorow führte eine Partisanengruppe, die während des Krieges 25.000 Nazis unschädlich machte. Sein Buch „Partisanen in der Ukraine“ zeigt vortrefflich die Haltung des ukrainischen Volkes gegenüber den Nazis. Es kann nur lebhaft empfohlen werden – als Gegenmittel aller Verleumdungen bezüglich des von Stalin verübten „ukrainischen Völkermords“.[38]
Anmerkungen
1. Douglas Tottle, Fraud, Famine and Fascisme, The Ukrainian Genocide Myth from Hitler to Harvard, Progress Books, Toronto, 1987, S. 5-6
2. Louis Fischer, „Hearst’s Russian Famine“, The Nation, vol.140, nº 36, 13/3/1935, zitiert in Tottle, op.cit., S. 7-8
3. Casey James in Daily Worker, 21/2/1935, zitiert in Tottle, op.cit., S. 9
4. Tottle, op.cit., S. 13, 15
5. Ebenda, S. 19-21
6. Ebenda, S. 4-31
7. Ebenda, S. 38-44
8. Ebenda, S. 41
9. Ebenda, S. 50
10. Ebenda, S. 51
11. Ebenda, S. 61
12. Ebenda, S. 70-71
13. Ebenda, S. 71
14. Ebenda, S. 74
15. Ebenda, S. 78-79
16. Ebenda, S. 86
17. Robert Conquest, Harvest of Sorrow, op.cit. S. 334
18. Tottle, op.cit., S. 105
19. Ebenda, S. 113
20. Ebenda, S. 113
21. Ebenda, S. 115
22. Ebenda, S. 118
23. Ebenda, S. 118
24. Ebenda, S. 122
25. Ebenda, S. 128
26. Ebenda, S. 129
27. Ebenda, S. 58
28. Arch Getty, Origins of the Great Purges, S. 5
29. Tottle, op.cit., S. 94
30. Ebenda, S. 94. Und, Sidney and Beatrice Webb, Soviet Communism: a New Civilisation?, op.cit. S. 247
31. Tottle, op.cit., S. 91
32. Ebenda, S. 92
33. Ebenda, S. 97
34. Ebenda, S. 97
35. Ebenda, S. 100
36. Ebenda, S. 99
37. Ebenda, S. 101
38. Alexei Ferodov, Partisans d‘ Ukraine, Ed. J’ai lu, Paris, 1966, publiziert mit dem Titel L’Obkom clandestin, Les Editeurs F. reunis, 1951.
Quelle:
Stalin anders betrachtet, Ludo Martens, Ludo Martens und EPO vzw Verlag, 1998,ISBN 90 6445 728 X, Titel der Orginalausgabe: Un Autre regard sur Staline, 1994