Aus aktuellem Anlaß ein Archiv-Artikel vom 6. August 2013
Obwohl man die Masern gemeinhin als „Kinderkrankheit“ bezeichnet,handelt es sich dabei um eine hochansteckende Infektionskrankheit, die in manchen Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen führt. Nachdem in München von April bis Anfang Juni 220 Masern-Fälle registriert wurden, wurde das Thema Impfen wieder aktuell. Man stellte fest, daß aktuell nur jedes dritte Kind ausreichend und rechtzeitig nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) gegen Masern geimpft wird. Um die Masern auszurotten, wäre eine höhere Impfquote nötig.
Das Masern-Virus ist ein humanpathogenes, also ausschließlich im Menschen vorkommendes Virus. Da eine spezifische Therapie bei Masern nicht existiert, kann der Krankheit und den dabei möglichen Komplikationen nur durch Impfung vorgebeugt werden. Genau dadurch sank in der Vergangenheit die Zahl der Fälle. Umfassende Impfkampagnen haben z.B. zur fast vollständigen Ausrottung des Virus auf dem amerikanischen Doppelkontinent geführt. Vereinzelt noch auftretende Krankheitsfälle sind fast immer auf importierte Masern zurückzuführen, so daß Amerika als Beispiel dafür gelten kann, daß die Masern durch Impfprogramme weltweit ausgerottet werden könnten.
Dagegen kommt es vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern immer wieder zu lokalen Masernepidemien mit hohen Krankheits- und Sterblichkeitszahlen. Laut Schätzung der WHO – wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte – hat der Masern-Virus im Jahr 2000 fast die Hälfte der 1,7 Millionen durch Impfung vermeidbaren Todesfälle bei Kindern verursacht, bei geschätzten 30 bis 40 Millionen Krankheitsfällen.
Die registrierten Masern-Erkrankungen in Europa gingen bis 2004 deutlich zurück. Dennoch rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die EU-Mitgliedstaaten 2011 auf, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Masern zu verstärken.
Es spricht also so einiges dafür, daß man sich gegen Masern impfen lassen sollte. Dennoch gibt es auch Menschen, die sich dagegen aussprechen. Bei meiner diesbezüglichen Suche im Web stieß ich auf einen Beitrag von Dr. Friedrich P. Graf, in dem dieser zehn „Gründe, die gegen die Masernimpfung sprechen“ auflistet, und die nach meiner Ansicht exemplarisch für die Meinung der Impfverweigerer stehen können. Ich hoffe, daß Dr. Graf nichts gegen die Zitierung seiner Gründe einzuwenden hat, bei deren Kommentierung mir ein befreundeter „Schulmediziner“ beratend zur Seite stand.
10 Gruende die gegen die Masernimpfung sprechen
1. Die Masernimpfung ist unnatürlich(1), schädlich (2), beteiligt an vielen modernen Krankheiten (Allergien, Autoimmunkrankheiten, Krebs)(3).
(1) Richtig, aber die gesamte Allopathie (also die „Schulmedizin“ im Gegensatz zur Homöopathie) ist „unnatürlich“.
(2) Manchmal.
(3) Das ist nicht bewiesen, also eine unbewiesene Behauptung.
2. Die Impfung ist eine Körperverletzung, für die es eine freiwillige Bereitschaft gibt(1). Jeder kann seine persönlichen Gründe haben, nicht daran teilzunehmen. Das muss ohne jede Diskriminierung akzeptiert werden(2).
(1) Zu den sogenannte „Masernpartys“ – organisierte Treffen, bei denen nicht gegen Masern geimpfte Kinder sich bei akut an Masern erkrankten Kindern anstecken sollen – sagt der Autor nichts, obwohl man auch diese als eine Art Körperverletzung bei freiwilliger Bereitschaft werten könnte, die zudem auch noch strafrechtlich relevant ist.
(2) Hätte Dr. Graf eine Tolerierung verlangt, so wäre das in Ordnung. Akzeptieren muß ich aber weder seine Meinung, noch das Verhalten der Impfverweigerer. Das ich ihn deswegen nicht diskriminiere, beweist allein schon die Tatsache, daß ich mich mit seiner Meinung ernsthaft auseinandersetze.
3. Die Impfung ist konzeptlos(1). Es ist widersinnig, gegen jede akute Krankheit mit Impfungen vorzugehen(2), wie heute zu beobachten ist. Was kommt danach? Die genetischen Vorteile gehen mit den Beseitigungsabsichten verloren(3). Es kommen andere unbekanntere Krankheiten von höherer Gefährlichkeit (Herpesinfektionen, H5N1, neue Viruskrankheiten), für die wir gute Vorbereitung brauchen(4).
(1) Das Konzept ist allen bekannt. Dr. Graf erkennt es nur nicht an.
(2) Gegen eine akute Gallenentzündung werden die Wissenschaftler wohl auch in Zukunft keine Impfungen entwickeln – also ist dieser Satz selbst „widersinnig“.
(3) Mit der bloßen „Absicht“ geht gar nichts verloren. Und wenn die Masern ausgerottet sind, ist auch der diesbezügliche „genetische Vorteil“ obsolet, denn dieser wird dann ja nicht mehr gebraucht, kann also ruhig verlorengehen. Auch andere Viren sind auf natürliche Weise ausgestorben, auch gegen diese hat der Mensch im Verlauf vieler Generationen die „genetischen Vorteile“ verloren.
(4) Wie soll diese „gute Vorbereitung“ konkret aussehen? Wäre der Masern-Virus vom Erdball verschwunden, hätten die Mediziner eine Differenzialdignose weniger. Was ist mit Kindern, die sich gleichzeitig mit Masern und Herpes etc. infizieren? Wird die Erkrankung nicht viel gefährlicher sein?
4. Masern ist bei guter Ernährung und Versorgungslage ungefährlich(1), kann intensiv ablaufen(2), ist aber zumutbar(3). Entscheidend wird die gute Vorbereitung (die mit der konventionellen Medizin missachtet wird) und der richtige Umgang mit dem Fieber (keine fiebersenkenden Arzneien!) und den Krankheitsstadien (Erholungszeiten wichtig!)(4)
(1) Die hungernden Kinder in den sogenannten Entwicklungsländern könnten jetzt „Danke“ sagen – die dort wegen fehlender Impfung gestorbenen können es nicht mehr (s.o.).
(2) Wenn man in Deutschland alle Masernkomplikationen behandeln müßte, könnte man wieder einige Krankenhäuser aufmachen.
(3) An dieser Stelle will Dr. Graf offensichtlich weder akzeptieren noch tolerieren, daß es Menschen gibt, die eben nicht an Masern erkranken wollen. „Zumutbar“ hin oder her.
(4) Wie man sich denn auf eine Infektion vorbereitet erklärt Dr. Graf an dieser Stelle nicht. Fieber ist schädlich für den Körper, vor allem für das Gehirn. Eine Immunität entwickelt sich auch ohne Fieber.
Erholung und Urlaub sind immer gut.
5. Wer eine andere Gesunderhaltung von Geburt an bei seinen Kindern und bei sich selbst pflegt, als heute vorgesehen ist, für den ist Masern kein Problem, sondern eine Chance gegen die modernen erregerlosen Krankheiten (Allergien, Krebs, Autoimmunkrankheiten)
Wieso gerade der Masern-Virus vor solchen Erkrankungen schützt, das verrät uns der Autor nicht.
6. Einerseits wird landesweit gegen die Zunahme von Allergien und Krebs diskutiert und die Machtlosigkeit in der Behandlung gegen die seuchenhafte Verbreitung deutlich und dann wieder die Chance verkannt, die mit Masern gegen diese Krankheiten gegeben ist(1). Eine stabile gute Gesundheit ist ohne Krankheit nicht zu haben, nur zumutbar muss diese sein. Das ist mit Masern gegeben(2).
(1) Keine Ahnung, von was für einer „Chance“ der Autor hier spricht. Um mir keine Allergie zuziehen, soll ich lieber das Risiko einer Masern-Infektion mit einer gleichzeitigen Pneumokokken-C-Infektion (auch nicht geimpft, versteht sich) eingehen, was vielleicht tödlich enden könnte? Danach bekomme ich sicherlich keine Allergie mehr – doch wo ist da die „Chance“?
(2) „Zumutbar“ mag dem Autor die Krankheit vielleicht deshalb erscheinen, weil die Infektionrate bei uns derzeit relativ niedrig ist.
Ansonsten gibt es keinerlei Hinweise, daß eine solche Krankheit irgendwie der gesundheitlichen „Abhärtung“ dient. Unsere eigenen Abwehrkräfte benötigen keine schweren und gefährlichen Krankheiten, um sich zu entwickeln.
7. Bei den Abwägungen von Nutzen und Risiko für oder gegen die Impfung oder die Krankheit stehen die Menschen in den Industriegesellschaften vor dem Problem der einseitigen (von Interessen geförderten) Information. Die Verquickung von Medizinern und Politikern mit der Wirtschaft und dem Anliegen, das Impfkonzept generell durchzusetzen, führt zu unwissenschaftlichen Behauptungen („Impfungen seien natürlich“), zu einseitigen Studien (ohne Kontrollgruppen), zu Unterlassungen von unerwünschten Untersuchungen (warum entgleisen einzelne Erkrankte in Komplikationen) und zu einer verzerrten Darstellung der Erkrankungsgefahren (mit Herausstellung von einzelnen Schwertsbetroffenen) wirksam in den Medien.
An dieser Stelle greift der Autor ein grundlegendes kapitalistisches „Problem“ auf, womit er durchaus richtig liegt. Unter dem objektiven Zwang, ständig Profit zu erzeugen, kommt es zur engen Verbindung von Kapital, „Wissenschaft“, Politik und Medien – eben im Sinne der „einseitigen Interessen“ der herrschenden Klasse. (rz berichtete auch darüber.) Bekannt ist auch, daß Mitglieder der Ständigen Impfkommission (Stiko) Geld von Pharmafirmen nahmen – auch weil sie deren Impfstoffe in Studien getestet haben. Was auf ein weiteres Problem der Medizin im Kapitalismus hinweist: die mangelhafte öffentlichen Finanzierung von relativ unabhängigen Studien. Antikapitalistische Schlußfolgerungen zieht der Autor jedoch nicht, wie er vergißt, daß es Impfungen auch in den ehemals „sozialistischen“ Staaten gab, wobei die dortige Pharmaindustrie nicht vorrangig profitorientiert war. Der siebte Grund ist somit das Ergebnis einer sehr einseitigen Betrachtungsweise, die zudem unterstellt, daß es überhaupt keine unabhängigen medizinischen Studien gibt.
Wie unabhängig Dr. Friedrich P. Graf ist, wenn er seine „Zehn Gründe“ vorträgt, dies zu entscheiden überlasse ich dem Leser, und verweise ihn dazu auf die Website von Amazon, wo zahlreiche Bücher von Herrn Graf zum Kauf angeboten werden. Auch der Sprangsrade Verlag verlegt und vertreibt seine Bücher.
8. In unethischer und entwürdigender Weise wird von Ärzten bei den Versorgenden mit Angstauslösung operiert, um für die Impfungen und diese offizielle konzeptlose Strategie gefügig zu machen. Den moralischen Druck erhöhen die Behörden.
Auf manchen Leser dieser „Gründe“ dürften diese selbst „moralischen Druck“ ausüben, machen sie doch bewußt oder unbewußt ebenfalls Angst – vor Allergien, Krebs und Autoimmunkrankheiten sowie vor neuen Viruserkrankungen und vor Nebenwirkungen der Impfung. Ob dies ethischer und würdiger ist, soll aber hier nicht die Frage sein.
Erika von Mutius (Universität München) betont, daß die existierenden Daten gegen die Behauptung sprechen, daß Impfungen zu Allergien führen. Dabei verweist sie auf die DDR, wo es zwar eine Impfpflicht, aber kaum Allergien gab.
Schwerwiegendere Impfkomplikationen wie ausgeprägte allergische Reaktionen sind sehr selten bis extrem selten. Und auf der Grundlage der vorliegenden Daten ist auch die Behauptung, die Masern-Mumps-Röteln-Impfung löse Erkrankungen wie Asthma, Diabetes mellitus oder Morbus Crohn aus, nicht zu belegen.
9. Die Masernimpfung ist eine Lebendimpfung, eine Impfung mit vermehrungsfähigen abgeschwächten Viren, die in die Zellkerne der Nervenzellen vordringen. Keiner hat es in der Hand, das weitere Verhalten dieser Viren zu kontrollieren(1). Lebenslang sind unterschiedliche Impulse für ihr Aktivwerden mit der Konsequenz der Zellzerstörung möglich. Der jeweilige Erkenntnisstand der Wissenschaft bagatellisiert Gefahren. Die behauptete Harmlosigkeit von heute kann der Wahnsinn von morgen sein(2). Dafür gibt es genügend andere Beispiele (atomare Strahlung, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Quecksilber)
(1) Nun, die Masern-Viren sind ebenfalls vermehrungsfähige, aber nicht abgeschwächte Viren, die „in die Zellkerne der Nervenzellen vordringen. Keiner hat es in der Hand …“
(2) Wahnsinnig kann man auch durch die durch Masern-Viren ausgelöste subakute sklerosierende Panenzephalitis werden, eine Spätkomplikation nach einer Masern-Infektion, die eine generalisierte Entzündung des Gehirns mit Nerven-Entmarkung und schwersten Schäden nach sich zieht. Darüberhinaus endet sie immer tödlich.
10. Mit den Impfkampagnen (sei es gegen Masern, H5N1, Zeckenviren etc.) spitzt sich die Machtfrage zu, das wirtschaftlich gewünschte Bürgerverhalten (die Akzeptanz der Impfungen) und eine Medizinideologie durchzusetzen, die die Probleme unserer Zeit nicht mehr lösen (sondern nur verwalten und kostenträchtig reparieren) kann(1). „Erreger“ sind schon lange kine ausreichende Sicht mehr zur Lösung der modernen Seuchen Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, Rheuma oder Krebs(2). Die im Grundgesetz gesicherte Freiheit der persönlichen Entscheidung wird zur Nagelprobe dieser „Demokratie“(3). Nur wer den überzeugend stabilen Gesundheitszustand absolut ungeimpfter Personen kennt, kann die Entschiedenheit gegen jeglichen Impfübergriff nachvollziehen(4).
(1) Wir stehen vor der Ausrottung des Masern-Virus. Ist das geschafft, ist keine Masern-Impfung mehr nötig, Herr Dr. Graf hätte sein Ziel erreicht. Kein Profit mehr mit Masern-Impfstoff, keine Nebenwirkungen mehr, keine Masern – das wäre doch toll. Mindestens ebenso toll wie bei der Pockenimpfung.
(2) Als ob es diese Krankheiten nicht schon vor der Masern-Impfung gab. Und für die Krankheiten durch Erreger haben wir inzwischen gute medizinische Mittel gefunden. Wieso sollte man diese ablehnen und fordern, daß man neue Mittel findet z.B. gegen Krebs, wenn man diese dann auch ablehnen möchte, weil Unternehmen damit Profit machen wollen oder es Nebenwirkungen gibt?
(3) Dr. Graf geht es weder um Kapitalismus noch um Demokratie. Das Schlagwort von der „Freiheit der persönlichen Entscheidung“ soll eher den Egoismus derjenigen bemänteln, die ihre Kinder auf den bereits erwähnten „Masernpartys“ bewußt mit Masern infizieren. Geht das gut aus, so ist das für diese dann der Beleg, daß auch andere Menschen sich nicht gegen Masern impfen lassen müssen. Von Erkrankungen mit Komplikationen erfahren sie nichts, und der offiziellen Statistik glauben sie eh nicht.
(4) Als ob es vor der Masern-Impfung keine Kranken gab. Erasmus von Rotterdam – „absolut ungeimpfte Person“ – hatte Syphilis. Johann Sebastian Bach – „absolut ungeimpfte Person“ – hatte Diabetes. Beethoven wurde taub, obwohl er nicht geimpft war. Versteht Dr. Graf dies als „stabilen Gesundheitszustand“?
Wer nicht impft, kann u.U. trotzdem folgenlos durchs Leben gehen. Zum einen weil viele Krankheiten sehr selten geworden sind, zum anderen weil die Impfung nicht nur die meisten Geimpften schützt, sondern durch die sogenannte Herdenimmunität auch noch ungeimpfte Babys, Menschen, die nicht geimpft werden können, sowie die Impfverweigerer selbst. Daran wird auch deutlich, daß die Impfung nicht ausschließlich dem individuellen Schutz dient, sondern auch eine gesellschaftliche, soziale Dimension hat.
Klaus Wallmann sen.