2013 arbeiteten die Erwerbstätigen in Deutschland laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) insgesamt 58,1 Milliarden Stunden. Das war ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber 2012 und zugleich der höchste Stand seit zwanzig Jahren. Das Wachstum des Arbeitsvolumens ist auf die gestiegene Zahl der Erwerbstätigen zurückzuführen. Na also.
Das IAB stellt dankenswerterweise auch eine lange Zeitreihe mit den Jahreszahlen ab 1991 zur Verfügung. Wolfgang Lieb von den „Nachdenkseiten“ schreibt dazu:
„Vergleicht man allerdings die lange Zeitreihe so zeigt sich, dass sich das Arbeitsvolumen der beschäftigten Arbeitnehmer (also der nicht selbstständigen Erwerbstätigen) seit 1991 von 51.768 Millionen Stunden auf 49.047 Millionen Stunden im Jahre im Jahre 2013 verringert hat.
Das Arbeitsvolumen der Vollzeitbeschäftigten hat sich im gleichen Zeitraum von 47.635 Millionen Stunden auf 40.099 Millionen Stunden verringert, während sich das Arbeitsvolumen der Beschäftigten in Teilzeit von 3.818 auf 8.223 Millionen Stunden erhöht hat. Das heißt in der Tendenz, dass sich das Arbeitsvolumen auf mehr Köpfe verteilt hat und vor allem die Teilzeitarbeit erheblich angestiegen ist.“
Den Jubel als Demagogie entlarvte auch eine Studie unter Leitung des Soziologen Prof. Klaus Dörre: „Die Erwerbstätigkeit stieg, nicht jedoch das jährliche Arbeitsvolumen aller Beschäftigten, das gibt zu denken; offenbar füllten atypische Erwerbsformen (Teilzeit, Leiharbeit, Minijobs) die Lücke auf, die der Abbau gesicherter und einkömmlicher Stellen hinterließ; deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung beläuft sich derweil auf rund 37 Prozent und hat sich seit dem Wirksamwerden der Hartz-Gesetze mit Beginn des Jahres 2003 annähernd verdoppelt … Dass ein knappes Viertel aller Erwerbspersonen dem Niedriglohnsektor zuzurechnen ist und 5 Millionen Vollzeitler, um leben zu können, zum ‚Aufstocken‘ antreten“ (taz), das entlarvt die bürgerliche Propaganda.
Noch eine interessante Zahl. Von 2000 bis 2012 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,048 Billionen auf 2,643 Billionen Euro, was einem Anstieg von 26,82 Prozent entspricht. Die Bruttoentgelte stiegen im gleichen Zeitraum von 897 Milliarden auf 1.124 Milliarden Euro, also nur um 25,3 Prozent. Ergo: Der Anteil der Arbeit”nehmer” am gesellschaftlich geschaffenen Reichtum sank von 43,8 auf 42,5 Prozent.
Die Zahlen belegen eindeutig, daß die quantitative Erhöhung der Anzahl der Arbeitsplätze einhergeht mit der schlechteren Qualität dieser Arbeitsplätze, sprich: mit prekären Einkommensverhältnissen, sprich: mit wachsender Armut. Das macht auch die zweite Zahl deutlich. Wenn der Anteil der Arbeit“nehmer“ am gesellschaftlich geschaffenen Gesamtprodukt fällt, so steigt auf der anderen Seite der Reichtum der herrschenden Klasse, erworben durch Ausbeutung. Klar, daß die Kommis der herrschenden Klasse in Jubel ausbrechen.
Klaus Wallmann sen.