Vor gut einem Jahr schrieb rz an dieser Stelle über Erdbeben in den Niederlanden. Damals berichtete das niederländische „Dagblad van het Noorden“ unter der Schlagzeile „Der Boden protestiert“, daß seit dem 7. Februar in der Provinz Groningen mehrere Erdbeben registriert wurden. Bis zum 11. Februar gingen bei der niederländischen Erdgas-Gesellschaft (NAM), die die Erdgasförderung im Groninger Gasfeld betreibt, rund 1.500 Schadensmeldungen von Anwohner ein.
Die Schäden sind auf die Erdbeben zurückzuführen, die Erdbeben auf die Gasförderung. In diesem Zusammenhang zitierte „OZ-online“ damals den Vorsitzenden der Emdener FDP-Stadtratsfraktion Bolinius. Laut Aussage der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse könnten derartige Schäden in Deutschland nicht versichert werden, denn die Erdbeben seien nicht naturbedingt, sondern würden durch den Eingriff von Menschen hervorgerufen. Herr Bolinius befürchtet offensichtlich nicht ganz zu Unrecht, daß Emdener Bürger über kurz oder lang von solchen Schäden betroffen sein könnten, denn das Groninger Gasfeld reicht bis unter den Dollart.
Aktuell berichtete „NDR Info“ nun von 127 Erdbeben im Norden der Niederlande im vergangenen Jahr, von denen einzelne eine Stärke von 3,0 auf der Richterskala und mehr erreichten. Das Königlich- Niederländische Meteorologische Institut (KNMI) erklärte 2013 in einer Studie, daß die Stärke der Erdbeben in Zukunft zwischen 4 und 5 liegen könnte. Die Ursache ist weiterhin die Gasförderung, die dort seit über 50 Jahren betrieben wird. Gleichzeitig wurden die Beben häufiger und schwerer. Ausgebeutet wird das Erdgasfeld von der Erdölgesellschaft NAM, einem Gemeinschaftsunternehmen der Konzerne Shell und Exxon Mobil.
Der niederländische Wirtschaftsminister Kamp wollte vor einem Jahr noch nichts von ein Förderstopp wissen – er will es auch heute nicht. Allerdings will er die Fördermenge in diesem Jahr um 21 Prozent auf 42 Milliarden Kubikmeter reduzieren. In Loppersum, wo es am 12. Februar wohl richtig gebebt hat, und die Zahl der beschädigten Häuser offensichtlich besonders groß ist, soll die Gasförderung sogar um 80 Prozent sinken. Mehr sei nicht möglich, so der Herr Wirtschaftsminister, denn das Gas brauche man schließlich um zu heizen. Die Interessen der Menschen in der Region, so der Demagoge Kamp, müßten gegen die Interessen der Menschen im ganzen Land abgewogen werden.
Wie alle Kommis der herrschenden Klasse hat natürlich auch Minister Kamp vor allem die Interessen seiner Herrn im Blick. Und deren hauptsächliches Interesse ist der Profit, den man aus der Gasförderung zieht. Gleichzeitig spült die Ausbeutung des Gasvorkommens auch einiges an Geld in die Staatskasse. Und während die einen die Profite einsäckeln, zahlt der Staat – also der Steuerzahler – in den nächsten fünf Jahren rund 1,2 Milliarden Euro an die von Erdbebenschäden betroffenen Bewohner in der Provinz Groningen. Privatisierung der Gewinne, Vergesellschaftung der Verluste – womit dann ja wohl wieder alles in Ordnung ist in dieser besten aller Welten.
Klaus Wallmann sen.
„Experten“ diskutieren derzeit über Nachwirkungen des Rückzugs der eiszeitlichen Gletscher. Als Erklärung für die Erdbeben seien diese zwar wenig wahrscheinlich, aber doch möglich. Ein Schelm, der Arges dabei denkt – ein Narr, der es nicht tut.