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ARCHIV 2003 – 2017

Zum deutschen Arbeitsmarktwunder

Die „Frohe Botschaft“ vom Arbeitsmarkt wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer und immer wieder kolportiert. Derzeit geht man mit der Zahl 42 Millionen hausieren. Soviele Deutsche stehen derzeit in „Lohn und Brot“. Gleichzeitig, so hört man vom Statistischen Bundesamt, sei die Zahl der Arbeitsstunden in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Im Staatsfernsehen hörte ich diesbezüglich die Zahl „rund 50 Milliarden“.

Was mir ein wenig spanisch vorkam. Tatsächlich ergab meine Rechnung, daß bei 42 Millionen Beschäftigten und 50 Milliarden Arbeitsstunden, jeder gerademal 1.190 Stunden im Jahr gearbeitet hat. Was pro Monat also 100 Arbeitsstunden sind. Die Normarbeitszeit eines Vollbeschäftigten beträgt aber z.B. in diesem Monat 160 Arbeitsstunden (bei 20 Arbeitstagen). Was einem 8-Stunden-Arbeitstag entspricht. 100 Arbeitsstunden im Monat entsprechen dagegen einem 5-Stunden-Arbeitstag.

Man könnte also zu der Auffassung gelangen, daß der langjährige Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit letztendlich Früchte getragen hat. Dem widersprechen aber Meldungen, nach denen Arbeitshetze, Stress und daraus resultierende psychische Erkrankungen ständig zunehmen. Der 5-Stunden-Arbeitstag ist denn auch nur das offizielle statistische Mittel – und nicht die Realität. Die Zahlen beweisen aber, daß ein großer Teil der 42 Millionen Arbeitsplätze prekäre Grundlagen habt.

Da die Macher der deutschen „Qualitäts“medien nicht dumm sind, muß man davon ausgehen, daß sie die angeblich guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt bewußt und in irreführender Absicht kolportieren. Aber genau dazu sind sie ja auch da.

Klaus Wallmann sen.

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